Was alles schiefgehen kann: 

Worst-Case-Szenarien im Trainingslager
 


Wer kennt sie nicht, die Lagerfeuer-Geschichten, die sich Trainerkollegen nach den Osterferien auf diversen Bahneröffnungen erzählen, wenn sich wieder mal genau die Siegerehrung verzögert, auf die man schon drei Stunden wartet oder schlicht und ergreifend einfach der Kaffee aus ist?

Auch auf Lehrgängen lauschen wir junge Übungsleiter mit bewundernden Blicken Trainer-Veteranen, die in der DLV-Trainerschule in Mainz oder in meist „Sportlerklause“ genannten Sportschulen-Kneipenanhängseln abends beim Bier ihre „Stories“ zum besten geben. In gerade diesem Rahmen werden oft mehr Kenntnisse vermittelt als auf dem ganzen Lehrgang.

Grund genug, die ganzen Geschichten einmal zusammenzutragen. Alle nun beschriebenen Pannen haben sich tatsächlich so ereignet und werden auch vom ein oder anderen Trainer schon ähnlich erlebt worden sein. Wahrscheinlich habt Ihr – liebe Leser – auch geschickter reagiert oder noch aufsehenerregendere Pannen erlebt. Kein Problem. Schreibt mir einfach per E-Mail.

Case 1:

Autopanne 1: Gigantische Kühlertemperaturen am Tunnelanfang
 
Wie jedes Jahr machte sich eine Gruppe von 5 Leichtathleten am Saisonende zu einem kurzen Saisonabschlusstraining und Wettkampf nach Liechtenstein auf. Da es am Abend vorher einem örtlichen Fußballfunktionär noch in den Sinn kam, dass der bestellte Bus nun doch von den Kickern selbst benötigt wurde, stiegen die Leichtathleten kurzerhand auf einen Pkw um (Modell VW-Polo, kaum 8 Jahre alt, 5 Personen, 1 Zelt, Sportausrüstung und Klamotten für 3 Tage). Gut – das ist etwas verwegen, werdet Ihr sagen – aber wer hätte schon ahnen sollen, was da alles passieren kann, schließlich war für alle Personen ein Gurt vorhanden, auch wenn man z.T. auf Schlafsäcken sitzen musste.

Nach ca. 400 km Vollgas (d.h. Tempi bis maximal 130 km/h im freien Fall) näherte man sich dem Pfändertunnel am Bodensee und fuhr nach dem Passieren der österreichischen Grenze in das knapp 7 km lange, imposante Bauwerk. Natürlich wurde in der Nacht gefahren, um den Eltern der beteiligten Jugendlichen die Kosten einer weiteren Übernachtung zu sparen.

So kam es, dass der Fahrer kaum 500m nach dem Tunnelanfang gegen 7 Uhr morgens kräftig ins Schwitzen geriet, da sich die Temperaturanzeige noch nie dagewesenen Höhen näherte. Anregend wirkte auch das rhythmische Blinken der roten Warnlampe.

Da unser Organisator, Fahrer, Masseur, Freizeitgestalter (kurz: Leichtathletiktrainer) ein ziemlicher Technik-Depp ist, denkt er, es wäre sicher nicht schlecht, langsamer zu fahren, was leider gerade zum nicht-erwünschten Ergebnis führt. Nachdem ein Halten leider nicht möglich ist, versucht er, möglichst schnell durch den Tunnel zu kommen und – zu seinem Erstaunen - bei schnellerem Fahren senkt sich auch langsam die Temperatur wieder, und schließlich erlischt pünktlich zum  Tunnelausgang auch die Warnlampe wieder.

Das Ende sei kurz und knapp geschildert: die Gruppe setzte die Fahrt bis zu ihrem ersten Ziel, einem Freizeitbad am Zürichsee, fort, wo nach dem Badbesuch der Kühlwasserbehälter geöffnet wurde und dieser sich mit einer minimalen Wasserdampffahne zu Wort meldete – vom Kühlwasser keine Spur. Also nachfüllen. Und ab in die Werkstatt, die kurz vor Feierabend noch mitteilte, dass es sich wohl um die Zylinderkopfdichtung handeln müsse, die man wohl erst am Montag Nachmittag austauschen könne.

Leider hatte die Gruppe diese Zeit nicht und auch keinen Schutzbrief beim ADAC, so dass eine andere Lösung gefunden werden musste: schließlich ist ein Vater mit einem Anhänger und einem Tauschauto die Nacht zur Gruppe durchgefahren und diese konnte ihren Trainingslageraufenthalt noch gut zu Ende bringen.
 

Case 2:

Stabhochsprungstäbe lernen fliegen
 
Bologna, kurz nach 23.30 Uhr, Regen, die Frisur hält. Leider aber konnte das die Vakuumdachständer nicht überzeugen, die ja eigentlich auf jeden Trainingsbus passen sollten, aber bei Regen leider ihre Schwächen haben.

Aber nun der Reihe nach: Beinahe wäre es der nun beschriebenen Sportgruppe gelungen, einen ansehnlichen Unfall zu verursachen.

Man stelle sich folgende Situation vor: auf der Heimfahrt von einem an und für sich gut gelungenem Trainingslager kommt auf einen vollbesetzten Kleinbus einer Leichtathletikgruppe folgende Situation zu:

Ein dumpfer Knall, LKW-Notbremsung hinter dem Bus, Aufblendlichtgewitter + selbst für Italien sehr dringendes Hupen, Schleifgeräusche, ein kontrollierender Blick des Fahrers in den Rückspiegel, Wiedererkennen der eigenen Stabhochsprungstäbe, nächste etwas dringendere Bremsung, Standstreifen. Zeit: ca. 5-10s. Zum großen Glück hatte sich nur die vordere Dach-Halterung gelöst und die hintere gehalten, so dass die Stäbe noch lose am Bus hingen und nachgeschleift wurden.

Daraufhin montierte ein Sportler mit der Hilfe des Fahrers auf dem Dach sitzend die Reste des Dachständers und der Stabhalterung ab, während der Rest hinter der Leitplanke wartete.

Nachdem nun den Vakuumhaltern kein Vertrauen mehr entgegengebracht wurde, musste man die Stäbe ins Businnere verlegen und mit offener Flügeltür bis zur nächsten Raststation fahren, wo ein weiterer Bus wartete, der inzwischen per Handy angehalten worden war und der zum Glück einen halben Meter länger war, so dass die Stäbe problemlos untergebracht werden konnten.
 

Case 3:

Doppelwhopper in Dänemark
 
Nach so vielen Autopannen liegt es nahe, es mal mit der Bahn zu versuchen. Das hat auch den Vorteil, dass man eine Nacht im Schlafwagen verbringen kann und dann erholt an seinem Ziel ankommen sollte.

Das Ziel war in diesem Fall Randers in Dänemark, der Stadt unseres Patenclubs. Leider mussten die Bahnreisenden beim Umsteigen in Flensburg mit verschlafenen Augen erstaunt feststellen, dass der Anschlusszug wohl nicht mehr kommen würde. Nach Erkundigungen bei den damals noch maßlos unfreundlichen Schalterbeamten der Deutschen Bundesbahn wurde uns gesagt, dass die dänischen Regionalzüge bis auf weiteres bestreikt würden und es uns mit unseren Tickets gegen Androhung der Todesstrafe nicht erlaubt sei, in einen Intercity zu steigen.

Nach zwei Stunden entnervtem Warten und Beraten haben wir das dann trotzdem gemacht und zu unserem Erstaunen bemerkt, dass die dänische Bahn schon Kunden behalten will und uns sogar noch ohne Aufpreis und ohne Aufsehen ein Abteil freimachte und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigte.

Doch ein weiterer dummer Zufall - oder eigentlich ein Planungsfehler - machte uns einen Strich durch die Rechnung: wir wollte uns eigentlich am Flughafen Aarhus einen Mietbus holen, der ziemlich genau im Finanzrahmen eingeplant und schon vorbestellt war. Zum Zweck der Anmiete wurde also ein Vater in Aarhus am Bahnhof abgesetzt, der per Taxi zum Flughafen und von da zum Zielort Randers fahren sollte. Was wir allerdings nicht wussten, war, dass auf unserer etwas älteren Karte nur der alte Flughafen eingezeichnet war und sich der Neue gut 80km außerhalb befindet, was unsere Träume von Trainingsbus wegen immenser Taxikosten auf einen VW Golf zusammenschmelzen ließ.
 

Case 4:

Mensch-ärgere-dich-nicht in Tschechien oder: „Der Silvesterknaller“

Besonders eifrige Leichtathleten lassen es sich nicht nehmen, auch die Winterferien für einen Trainingslageraufenthalt zu nutzen. Da die finanziellen Mittel meist nicht für die Algarve oder den Club „La Santa“ reichen, fällt die Wahl schon mal auf Tschechien...

Genauer gesagt auf Jablonec, der Heimat des Speerwerfers Jan Zelezny und des Hochspringers Janku. Dort finden sich hervorragende Trainingsbedingungen (eigene LA-Halle) und günstige Übernachtungsmöglichkeiten.

Doch sei an dieser Stelle eindringlich davor gewarnt, mit einem VW Passat nach Jablonec zu reisen, da diese bevorzugt (auf Bestellung) geklaut werden (20 Autominuten nach Polen). Ich durfte (?) das dort schon zweimal miterleben.

Die Masche: Während des Silvestermenüs, das ja bekanntlich ein paar Stunden dauert, wird das Auto keine 20m Luftlinie entfernt geklaut. Dabei wird selbst vor eigentlich fahruntüchtigen Wägen (versulzter Diesel) kein Halt gemacht.

Da leider der Hotelwirt trotz mehrmaliger Anfrage damals keine abschließbaren Parkplätze oder Garagen zur Verfügung gestellt hat, reisen wir nicht mehr nach Jablonec. Schade, denn eigentlich war es dort sonst sehr schön.

Falls Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt, teilt sie uns bitte mit.

 
von Matthias Böhm
 
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