ISPO-Interview mit Sina Schielke

"Junioren-WM ist wichtiger als Sydney"

Doping ist für Deutschlands Nachwuchs-As kein Thema

09.02.00 (fc) Die Internationale Sportartikel-Messe ISPO ist ein wichtiger Termin für Aussteller und Fachbesucher aus der Sportindustrie. Die Firma Adidas nutzte die Möglichkeit, um den Anzug für die Olympischen Sommerspiele in Sydney zu präsentieren. Anschließend konnten wir unter anderem mit Sina Schielke sprechen. 

Sina Schielke ist die neue Sprinthoffnung in DeutschlandDie dreifache Junioren-Europameisterin, ausgezeichnet mit einem Jugend-Förderpreis, war beim Talk auf der Bühne auf ihre Leistungsexplosion von 1998 auf 1999 angesprochen, auch etwas überfragt. "So richtig erklären kann ich mir das auch nicht", meinte die Dortmunder Nachwuchssprinterin. Obwohl schon Kadermitglied, wollte sie noch keine wirklichen Ambitionen auf die Sommerspiele in Sydney anmelden. Wenn sie sich qualifizieren sollte, wolle sie nur in der Staffel an den Start gehen.  "Wichtiger für mich ist in meinem letzten Jugendjahr die Junioren-WM in Chile", so Schielke.

Sina Schielke stellte sich im Anschluss an die Präsentation den Fragen von steeple.de:

steeple.de:
Sina, erstmal ein kurzer Rückblick auf die Junioren-EM in Riga im letzten Jahr. Was bedeuten diese drei Titel für Dich jetzt im Hinblick auf die anstehende Olympia-Saison?

Sina Schielke:
Ich hoffe mal, dass ich an diese Leistung wieder anknüpfen kann und ich denke, dass es von den Titeln her nicht möglich sein wird. Jetzt stehen die Jugend-Weltmeisterschaften an und da dreimal Weltmeister zu werden, ist utopisch, das kann überhaupt nicht gehen. Ich hoffe, dass die Zeiten in diesem Jahr wieder ähnlich oder besser werden und ich in Sydney dabei sein werde. Aber es sind ja auch noch die Junioren-Weltmeisterschaften und das ist für mich noch wichtiger, weil es mein letztes Jugendjahr ist. Weltmeisterschaften sind auch was anderes als Europameisterschaften, das Niveau ist höher und da möchte ich gerne über 200 Meter unter die ersten Drei kommen. 

steeple.de:
Du warst ja kürzlich auch in Dortmund beim Hallen-Meeting mit am Start für die LG Olympia. Wie sieht denn Deine weitere Planung für die Halle aus?

Sina Schielke:
Ich bin krank gewesen, deshalb war das sowieso ein bisschen blöd. Das war mein erster Lauf, den ich gemacht hatte in Dortmund, zugleich mein erstes internationales Hallen-Meeting. Ich werde auch nicht mehr soviel in der Halle machen. Ich starte jetzt bei den Deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende, eine Woche später bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften, beides in Sindelfingen. Danach steht noch mal ein Länderkampf von der Jugend bei den U20 in Neubrandenburg an und dann höre ich auf. Ich denke, das ist auch nicht gut. In meinem Alter ist es eh schon sehr viel und dass man dann auch noch so ne Hallensaison macht, denke ich, ist nicht sinnvoll. Vier Starts wären das dann und der Sommer ist wichtiger und darauf zähle ich! 

steeple.de:
Wie fühlst Du Dich jetzt hier auf der ISPO bei der Präsentation des Olympia-Anzugs?

Sina Schielke:
Ein bisschen komisch ist das schon, wenn man hier diesen Anzug trägt. Ich hoffe, dass ich ihn noch mal tragen werde, nicht nur hier. Es ist natürlich toll, wenn man die Chance hat, diesen Anzug zu präsentieren. Ist schon ein schönes Gefühl. 

steeple.de:
Du hast bereits die Junioren-Weltmeisterschaft in Santiago de Chile im Oktober angesprochen. Mit welchen Erfahrungen fährst Du da hin, wenn wir mal davon ausgehen, Du bist auch in Sydney mit dabei? Was bedeutet das dann in der Vorschau noch für Dich?

Sina Schielke:
Es ist wichtiger für mich. Da fragen mich die Leute natürlich, wieso ist das wichtiger, Sydney istSina Schielke strahlte im neuen Olympia-Anzug doch viel größer. Aber ich denk mal, bei der Jugend ist es auch noch viel einfacher als bei den Erwachsenen. Da ist ja nachher das Niveau auf einmal so hoch und deswegen möchte ich in Chile unter die ersten Drei kommen. Unter die ersten Drei deshalb, weil es passiert ja häufig, dass da dann plötzlich jemand dabei ist, der dann Top-Zeiten läuft. Zum Beispiel bei den 100 Metern, da führt ne Nigerianerin die Bestenliste mit 11,11 Sekunden an und diese Zeit ist schon ein bisschen utopisch für mich. Deshalb sieht es eher so aus, dass ich die 200 Meter laufen werde. Da stehe ich an erster Stelle mit 23,03. Deshalb also eher die 200 und ich hoffe, dass es da ähnlich gut läuft wie letztes Jahr und dann eben die Staffel noch. Vor zwei Jahren in Annecy haben wir einen Wechselfehler gemacht und sind deswegen nicht ins Finale gekommen und deshalb möchten wir da auch ne gute Zeit erzielen und einen guten Platz machen. 

steeple.de:
Du hast mal in einem Fernsehinterview auch zum Thema Doping relativ offen Stellung bezogen. Du sprachst jetzt gerade eine nigerianische Sprinterin an der Spitze der Bestenliste mit einer Fabelzeit an. Wie schätzt Du das jetzt ein, Du als deutsche Athletin im Vergleich zu Afrikanerinnen, bei denen man doch manchmal etwas skeptisch ist, was das betrifft?

Sina Schielke:
Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass die mit den 11,11 gedopt ist. Überhaupt nicht, aber ich meine, man hat ja jetzt gemerkt, dass es im Ausland schlimmer ist als bei uns. Aber gut, ich muss halt gegen diese Leute antreten und ich würde auch nie sagen, ich habe nur den Zweiten gemacht, weil die gedopt ist. Das ist Blödsinn, ich muss mich halt dem stellen. Für mich würde so was nie in Frage kommen. Wenn ich dann gewinnen würde und wüsste, ich habe gedopt und die anderen haben das sauber gemacht, dann würde ich mich über den Erfolg, glaube ich, gar nicht so freuen. Aber ich denke, bei anderen geht es auch noch um das Finanzielle in verschiedenen Ländern. Aber für mich wäre das überhaupt kein Thema. 

steeple.de:
Vielen Dank, Sina. Wir wünschen Dir viel Glück auf Deinem Weg nach Santiago de Chile.


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