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Interview mit Kofi Amoah Prah
"Dieses
Jahr wird sehr schwer"
Wesel: erst 8,01 Meter - dann
verletzt - ein bis zwei Wochen Pause
05.06.01
(fc/dg) Die Messlatte liegt
für den deutschen Olympia-Fünften im Weitsprung, Kofi Amoah Prah, in diesem
Jahr verdammt hoch. 8,20 Meter fordert der Weltverband als Qualifikationsnorm
für die Weltmeisterschaft in seiner Disziplin. Beim Test- und
Qualifikationswettkampf am Pfingstmontag schraubte er die deutsche
Jahresbestleistung immerhin schon auf 8,01 Meter, bei kalten Bedingungen
wohlgemerkt. Eine Verletzung im weiteren Bewerb beschert ihm nun vermutlich ein
bis zwei Wochen Pause. Danach will der Berliner wieder angreifen und setzt auf
die Unterstützung seiner Fans, denn "100 Leute können sich auch wie 1000
anhören." Dirk Gantenberg unterhielt sich in Wesel für das
Leichtathletik-Online-Magazin mit Kofi Amoah Prah.
Steeple:
Kofi, was hat Dich gereizt,
gerade hier in Wesel zu starten ?
Kofi
Amoah Prah:
Ich weiß, was mich hier in
Wesel erwartet. Es ist eine sehr familiäre Veranstaltung, bei der ich Spaß
haben und gute Leistungen bringen kann. Da zählt für mich nicht immer nur das
Geld.
Steeple:
Ist die Verletzung sehr
schlimm?
Kofi
Amoah Prah:
Ich hoffe nicht, ich werde
diese Woche intensiv mit Ärzten und Physiotherapeuten arbeiten und ich hoffe,
das sich irgendwas für mich ergibt, was nicht so dramatisch ist, aber es wird
mich schon eine kleine Pause kosten.
Steeple:
Hast Du schon eine Vermutung,
ist das eine alte Verletzung ?
Kofi
Amoah Prah:
Das ist eine Verletzung von vor
sechs Wochen, die ich mir im Trainingslager zugezogen hatte, weshalb ich auch
den Saisonstart in Garbsen verpasst habe. Ich hatte auch schon die ersten zwei
Wettkämpfe Probleme mit dem Anlauf, also in die Anlaufsicherheit reinzukommen,
aber heute war es sehr gut, die ersten vier Versuche natürlich. Es wäre mehr
drin gewesen, um so schlimmer nachher die Zerrung an der rechten Beugersehne,
ein bis zwei Wochen wird es mich sicherlich beschäftigen.
Steeple:
Ungeachtet dessen, bist Du mit
Deiner Leistung von 8,01 Metern aber hochzufrieden?
Kofi
Amoah Prah:
Ja, unter den Bedingungen war
es wirklich eine super Leistung und wie gesagt mir fehlen drei Wochen
Saisonvorbereitung, die sehr wichtig sind, um Sicherheit zu bekommen, sonst hätte
ich schon sehr viel früher mit acht Metern starten können. Ich denke, es wird
für mich dieses Jahr sehr schwer werden, nicht nur aufgrund der Gegner, sondern
aufgrund meines Körpers, der nicht ganz so mitspielt. Es kann nicht immer nach
oben gehen, es gibt auch mal Zwischenphasen in einer sportlichen Karriere, die
ein Athlet durchmachen muss. Aber ich bin ein Kämpfertyp und werde auf keinen
Fall aufgeben.
Steeple:
Wie ist Deine Meinung zu den
angedachten Regeländerungen der IAAF?
Kofi
Amoah Prah:
Quatsch, völliger Quatsch, was
soll das? Die Tennisspieler haben drei Stunden Zeit, die Fußballer 90 Minuten,
da denkt keiner über so einen Schwachsinn nach. Man kann auch sagen, die
spielen nur noch zweimal dreißig Minuten, dann geht es schneller, die
Mannschaften müssen sich mehr anstrengen und dann eben schneller die
Entscheidung suchen. Man kann immer Argumente finden, um eine Sportart schneller
zu machen, ob sie dann auch interessanter wird, ist die Frage. In keiner anderen
Sportart kommen so gravierende Veränderungen hoch wie in der Leichtathletik.
Hier wird gegen den Athleten gearbeitet, wir werden noch nicht mal gefragt, ob
wir vier Versuche wollen. Ich hoffe trotzdem, dass der DLV noch hinter uns steht
und Helmut Digel seinen Einfluss bei der IAAF zu unseren Gunsten geltend machen
kann.
Steeple:
Wie wichtig ist das Publikum für
Dich, brauchst Du viele Zuschauer, eine gewisse Nähe zu ihnen, um gute
Leistungen zu bringen ?
Kofi
Amoah Prah:
Sicher, ich bin schon abhängig
von der Atmosphäre, aber das muss jeder selbst entscheiden. Man kann sich ja
aus 200 Leuten 2000 vorstellen, wenn man soviel Phantasie hat, dann geht das
schon. Ich denke, ich habe die Phantasie. Ich glaube, wenn ich Applaus will,
dann können sich auch 100 Leute wie 1000 anhören.
Steeple:
Wie sieht denn die
Trainingsgemeinschaft mit Steffen Landgraf (in Wesel Dritter mit mit 7,84 m)
aus? Du hast Dich bei der Siegerehrung riesig mit ihm gefreut...
Kofi
Amoah Prah:
Ja, eine super Leistung von
ihm. Er hat dafür hart gearbeitet. Andere haben zu ihm gesagt: "Geh zu den
400 Metern, du bist ein Langsprinter". Der macht im Training Trainingsläufe
und zieht uns regelmäßig ab, der hat eine riesige Lunge. Seine Mutter war
Weltrekordlerin und Olympiasiegerin über 400 Meter 1972 in München und ich
glaube, er hat das geerbt. Trotzdem konzentriert er sich auf den Weitsprung und
ich finde es klasse, wie er sich durchsetzt. Mich kann auch keiner dazu überreden,
Sprint zu machen oder etwas anderes. Ich will weit springen und lasse mich nicht
davon beeindrucken, dass ich 10 Zentimeter kleiner bin als meine Konkurrenten.
Steeple:
Du bist mit der Berliner
Staffel deutscher Hallenmeister geworden. Wie viel bedeutet Dir so ein
Mannschaftswettkampf?
Kofi
Amoah Prah:
Ein Teamtyp bin ich schon. Ich
habe früher Fußball gespielt, da musste man sich auch unterordnen. Ich glaube,
das formt auch den Charakter, im Team stark zu sein, auch mal für andere da zu
sein.
Steeple:
Was hast Du denn mit deinen
goldenen Haaren gemacht?
Kofi
Amoah Prah:
Ich weiß gar nicht, welche
Farbe das damals war, ich habe die Haare einfach zweimal gefärbt und geschaut,
was dabei herauskommt. Jetzt trage ich wieder meine richtige Wettkampffrisur.
Steeple:
Danke für das Gespräch und
gute Besserung.
von
Dirk Gantenberg
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