steeple.de:
Wolfram, Du bist in Fürth zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg über
3000 Meter in 8:11,28 Minuten gelaufen. Wie fällt Deine Analyse aus?
Wolfram
Müller:
Ich trainere erst wieder seit drei Wochen. Am 1. Januar habe ich wieder
angefangen. Vorher war ich zwei Wochen in der Karibik und habe dort Urlaub
gemacht und mich erholt. Ich denke, für die kurze Zeit des Trainings ist das
schon eine sehr gute Leistung. Zufrieden war ich trotzdem nicht.
steeple.de:
Was
war der Grund, warum es Dich hier zu den Bayrischen Hallen-Meisterschaften als
Gaststarter verschlagen hat?
Wolfram Müller:
Ich
trainiere mit Franek Haschke, der für Quelle Fürth/München startet, zusammen.
Franek wohnt bei mir zuhause, trainiert mit bei meinem Trainer und deshalb haben
wir gesagt, dass wir bei den Bayrischen Meisterschaften einfach mal mit starten.
steeple.de:
Die Indoorsaison findet gerade ihren Anfang. Wie sehen Deine Pläne
für die Halle aus?
Wolfram
Müller:
Ich werde als nächste Rennen in Karlsruhe, Erfurt und Stuttgart laufen.
Dann stehen die Deutschen Meisterschaften in Dortmund auf meinem Plan.
Zwischendurch gehe ich noch ins Trainingslager und danach Skifahren.
steeple.de:
Es liegt ein sehr erfolgreiches Jahr 2000 hinter Dir, das Du nach Silber bei
der Junioren-WM in Chile mit dem Junioren-EM-Titel im Cross abgeschlossen hast.
Du warst sehr viel im Einsatz und hast oft auf Dich aufmerksam gemacht. Wie
fällt Dein persönliches Fazit aus?
Wolfram
Müller:
Das letzte Jahr war für mich das Optimum, das ich erreichten konnte. Ich
habe den Vize-Weltmeistertitel geholt. Gold wäre zwar die Krönung gewesen,
aber die Silbermedaille war realistisch. Das war das, was ich erreichen konnte.
Nach Gold zu greifen, war leider nicht möglich. Die Cross-Europameisterschaft
war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Ich wollte eigentlich keinen Cross,
sondern Urlaub machen, aber mein Trainer hat mich noch mal motiviert. Er hat
gesagt 'Einfach los, du kannst das.' Ich hab daraufhin zwei-, dreimal die Woche
trainiert und bin dann gestartet. Es war super! Es war für mich was Neues,
nicht immer nur auf der Bahn, sondern auch mal Cross zu laufen.
steeple.de:
Wenn
Du auf die Junioren-WM in Chile zurückblickst. Du warst dort doch recht locker
drauf. Wie stufst Du dieses Erlebnis für Dich ein?
Wolfram
Müller:
In Chile war für mich schön, dass ich Mannschaftssprecher war und mir die
ganze Mannschaft das Vertrauen erwiesen hat. Ich bin auch mit allen Leuten gut
klar gekommen und nicht einer, der sich in die Ecke setzt. Ich bin mehr der
lustige Typ, der auch anfeuert und mal einen Spaß mitmacht. Chile war für mich
ein großes Erlebnis, mit der ganzen Mannschaft weit weg von Deutschland zu
sein.
steeple.de:
Das Jahr 2001 ist gerade angebrochen. Durch Deine Erfolge sind auch die
Erwartungen an Dich gestiegen. Wie gehst Du selbst mit dieser Situation um?
Wolfram
Müller:
Es wird für mich immer schwieriger, weil ich immer mehr unter Druck komme.
Ich denke, das kann jeder nachvollziehen, wenn man ständig mit Dieter Baumann
oder auch schon mit Nils Schumann verglichen wird. Es ist für mich nicht
unbedingt einfach, damit umzugehen. Ich denke, dafür habe ich einen guten
Trainer, der dann versucht mich so zu beeinflussen, dass ich ruhig bleibe. Ich
muss aufpassen, dass ich im Training nicht überziehe. Ich werde das Beste aus
dem Jahr 2001 machen.
steeple.de:
Vielen Dank für das Gespräch, Wolfram.