Wie
wichtig war dieser Titel für Sie?
Nico
Motchebon:
Ich habe schon eine ziemlich große Sammlung von Medaillen und deutschen
Meisterschaftstiteln. Das war aber für mich persönlich der Wertvollste.
Jahrelang war es so, dass überhaupt keine Konkurrenz da war und es nur darum
ging, wie schön man gewinnt. Diesmal hätte viel passieren können und ich
hätte auch ganz leer ausgehen können, weil ich meine gesundheitliche Situation
noch überhaupt nicht richtig einschätzen kann. Das erschwert die Sache ganz
enorm.
Wie
würden Sie das Rennen bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften charakterisieren?
Nico
Motchebon:
Es war ein Rennen, bei dem es nicht so sehr auf eine schnelle Zeit ankam,
sondern auch auf das Geschick. Dabei profitiert man natürlich auch von den
Fehlern der anderen. Dafür haben wir mit Nils Schumann in Deutschland ein sehr
schönes Beispiel, der bislang bei allen seinen großen Erfolgen von den Fehlern
der anderen profitiert hat. Das ist genau der Sport und auch keine Abwertung.
Genauso muss es laufen und das ist das, was ich an der 800-Meter-Strecke
schätze. Es ist immer eine Chance da, eine Medaille zu machen. Auf den
kürzeren Strecken läuft jeder das, was er kann. Bei taktischen Strecken kann
hingegen immer viel passieren. Ich bin wirklich sehr glücklich und ich habe
gezeigt, dass das Training nicht ganz umsonst war.
Sie
hatten die Fehler der anderen angesprochen. Was waren diese konkret?
Nico
Motchebon:
Wolfram Müller hatte mit Abstand die schnellste Zeit in diesem Jahr stehen.
Er ist ein Langstreckenläufer, dem der kurze Spurt nicht liegt. Wenn er
versucht hätte, von vorne und ein schnelles Rennen um 1:47 Minuten zu laufen,
wäre es schon für alle im Lauf sehr schwer geworden. Für mich wäre es dann
auch im Spurt schwierig gewesen, weil ich vorher nicht so hätte laufen können.
Jeder überlegt sich vorher seine Taktik. Ich bin davon ausgegangen, dass es
schnell wird. Ich konnte dann das Tempo diktieren und es hätte auch jedem klar
sein müssen nach meiner bisherigen Saison, dass ich an der Spitze nichts machen
und versuchen werde. Man hat mich gewähren lassen bis zu 600 Metern. Es kam
niemand, der so richtig Druck machte. Oliver Daum hatte es mal halbherzig
probiert, aber das war auch nicht schnell. Nach einem kurzen Positionswechsel
ging es genauso wie am Anfang weiter. Nach 600 Metern war mir klar, dass ich
gewinne. Wenn ich im Training in Turnschuhen über 200 Meter Zeiten von 23
Sekunden laufen kann, dann weiß ich, dass ich richtig was drauf habe. Und wenn
ich ausgeruht bis zu den letzten 200 laufen kann, wird es sehr schwer für
andere. Ich habe noch bis zu den 700 gewartet, um nicht mehr zu tun, als
unbedingt nötig. Je länger man warten kann, umso härter wird der Antritt. Ich
denke, ich bin noch ein richtiges Stück weg gekommen, in dem Moment, als ich
richtig Gas gegeben habe.
Wie
beurteilen Sie Ihre Leistungen und Zeiten in der aktuellen Hallensaison?
Nico
Motchebon:
Es hat nur mit meinen gesundheitlichen Problemen zu tun und nicht damit, wie
viele erzählen, dass ich zu alt wäre. In dem Moment, zu dem ich wieder richtig
da bin, wird es auch wieder sehr gut und sehr schnell gehen. Ich hatte im
letzten Jahr dieses Pfeiffersche Drüsenfieber. Damit kämpfe ich immer noch.
Jetzt kam auch noch eine Infektion dazu. Beides zusammen ist nicht das, was
einen schnell laufen lässt. Aber man weiß zumindest, woran es liegt. Beim
Meeting hier in Dortmund hatten wir einen Test gemacht, wie gut es wirklich
geht. Wenn man dann merkt, dass es bis 600 Meter gut läuft, dann ist daran zu
erkennen, dass es eben dieser gesundheitliche Faktor ist, der einen wieder
abfallen lässt. Wenn man nichts drauf hat, kann man die ersten 400 Meter nicht
in 50,5 Sekunden anlaufen, ohne kämpfen zu müssen. Von daher läuft es bei mir
sehr sehr gut und wir müssen sehen, dass wir bis zum Sommer alles in den Griff
bekommen. Dann läuft es auch wieder richtig gut.
Wie
schwer ist Ihnen der Verzicht auf die Olympischen Spiele im letzten Jahr
gefallen?
Nico
Motchebon:
Olympische Spiele wirft man nicht einfach so weg. Ich habe schon sehr, sehr
viele Ärzte konsultiert - gerade im letzten Jahr. Zu Olympia wäre ich
vielleicht sogar in dem Wissen hingefahren, dass ich dort nichts Großes reißen
kann. Ich hatte das große Glück, dass ich schon zwei Spiele mitmachen konnte.
Das ist ein Erlebnis, das kann einem keiner geben und das kann niemand mit Geld
bezahlen. Deshalb war das im letzten Jahr für mich sehr enttäuschend.
Auch
im Lager des LAC Quelle Fürth/München freute man sich über ihren Titelgewinn.
Welche Bedeutung hat das für Sie im Zusammenhang mit Ihrem Verein?
Nico
Motchebon:
Ich gebe immer mein Bestes bei den Deutschen Meisterschaften. Es wird mir
jeder glauben, dass ich persönlich am meisten enttäuscht bin, wenn ich das
nicht so schaffe. Letzte Woche bei der 3x1000-Meter-Staffel in Neubrandenburg
war es für mich noch schlimmer, wenn da noch zwei andere mit drin hängen. So
knapp zu verlieren, tut mir auch selbst am meisten weh. Man verliert nie gerne.
Es ist wunderbar, wenn man weiß, dass sich andere noch so richtig mit einem mit
freuen und denen damit auch noch einen Gefallen tut. Aber in erster Linie läuft
letztlich doch jeder für sich.