steeple.de:
Larissa, wie ist der aktuelle Stand, was Deinen Wechsel zum SCC Berlin
betrifft?
Larissa
Kleinmann:
Der Wechsel zum SCC Berlin ist nicht zustande gekommen. Ich bin jetzt immer
noch beim VfL Waiblingen. Dadurch, dass Stephane Franke seinen Rücktritt als
Trainer bekannt gegeben hat, sind wohl in Berlin beim SCC ein paar Sponsoren
abgesprungen und dadurch konnten sie mich jetzt nicht mehr übernehmen. Deshalb
bin ich jetzt weiter beim VfL Waiblingen.
steeple.de:
Kam
der Rücktritt von Stephane für Dich überraschend?
Larissa
Kleinmann:
Stephane
hatte mir bereits im September oder Oktober gesagt, dass er sich für den
Trainerjob beim OSP Berlin bewirbt und er Gespräche mit dem DLV und dem
Berliner Verband geführt hat, bei denen nichts zurückgekommen ist. Deshalb
wusste ich vorher schon, dass er, wenn er keine Trainerstelle bekommt, aufhören
würde. Ich hatte allerdings die Hoffnung, dass es mit der Trainerposition
klappt und sich der DLV ausnahmsweise für Stephane einsetzt, aber da ist
bekanntlich nichts passiert. Auf alle Fälle wusste ich schon, dass es nicht so
sicher ist, dass er als Trainer von Damian und Jirka weiterarbeiten kann. Ich
hoffe, die beiden können auch ohne Stephane an die Leistungen der letzten Zeit
anschließen.
steeple.de:
Im LA-Forum hast Du im Zusammenhang mit
Stephane Franke auch Kritik an den Verbänden geübt. Welche Erwartungen
hast Du als junge Athletin an die Verbände?
Larissa
Kleinmann:
Ich hatte ja nun mit dem DLV schon einige Jahre zu tun und in der Zeit
gesehen, wie man sich dort verhält. Ich glaube deshalb nicht, dass es noch zu
einer Reaktion seitens des Verbandes kommt und man dort nicht weiß, was man an
Stephane als Trainer hatte. Ich denke, dass die Trainerkarriere von Stephane
damit tatsächlich beendet ist. Ich für meinen Teil nehme auf alle Fälle kein
Blatt vor den Mund und es hat mir eben unter den Fingernägeln gebrannt. Das
musste mal gesagt werden. Ich stehe zu dem, was ich im Forum geschrieben habe.
steeple.de:
Welche Auswirkungen hat der Rücktritt von Stephane Franke für Dich
persönlich, abgesehen vom geplatzten Wechsel zum SCC Berlin?
Larissa
Kleinmann:
Stephane ist natürlich sehr kompetent. Es wäre aber nichts in der Hinsicht
geplant gewesen, dass er mein Trainer wird, weil ich in den USA auch einen
hervorragenden Coach habe. Ich lebe hier in meiner geordneten Umgebung und bin
gut umsorgt. Ich hatte aber natürlich mit Stephane Kontakt per E-Mail und mit
ihm öfter telefoniert. Er gab mir immer ein paar Tipps und das war natürlich schon
sehr gut. Wenn er als Trainer in Berlin weitergearbeitet hätte, wäre ich
sicher auch öfters nach Berlin gekommen, um dort mitzutrainieren und mit ins
Trainingslager zu fahren. Nachdem die Möglichkeit jetzt nicht mehr besteht, hat
das auch eine negative Auswirkung auf mich..
steeple.de:
Du
bist 1998 in die USA gegangen, um dort zu studieren und zu laufen. Was waren
Deine Gründe dafür?
Larissa
Kleinmann:
Ich kannte schon andere Läufer aus Deutschland, die in die USA gegangen
sind, von denen ich sehr gute Sachen gehört habe. Außerdem bin ich recht
weltoffen, ich reise gerne und ich wollte auch Englisch so richtig lernen, es
fließend sprechen können und das amerikanische System kennenlernen. Ich halte
es für einen guten Übergang vom Jugendalter in Deutschland, weil das Niveau in
den Staaten zwischen dem der Jugend und den Erwachsenen liegt und man nicht
sofort ins kalte Wasser geworfen wird. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man
gleich bei den Aktiven mitlaufen muss. Das sehe ich in den USA als Vorteil, weil
hier auch sehr gute Konkurrenz besteht und man gefordert wird. Man hat hier
immer ein Team um sich, egal ob im Crossbereich oder auf der Bahn. Dadurch hat
man Trainingspartner und das ist viel motivierender als in Deutschland, wo ich
immer alleine trainieren und zu Wettkämpfen gehen musste. Es fällt einem so
viel schwerer, in Deutschland zu trainieren. Die Leute in den USA sind alle sehr
nett und es ist natürlich auch aus beruflicher Sicht sehr gut, einmal im
Ausland studiert zu haben.
steeple.de:
Das Jahr 2001 ist gerade angebrochen. Wie sehen Deine Ziele für die
nächsten Monate aus?
Larissa
Kleinmann:
Ich hoffe, dass der Hindernislauf meine neue Zukunft ist. Das nehme ich sehr
ernst und ich werde mich voll darauf konzentrieren. Die Hallensaison fängt bei
uns in der nächsten Woche an. Ich werde aber wahrscheinlich den ersten
Wettkampf noch nicht bestreiten. In der Halle gibt es noch keine Hindernisse,
deshalb werde ich 3000 und 5000 Meter bei den Nationals laufen und auch mit der
Mannschaft haben wir gute Chancen, ganz vorne zu sein. Im Freien nehme ich Ende
März zum ersten Mal die Hindernisse in Angriff. Darauf bereite ich mich schon
eine ganze Weile vor. Hürdentraining mache ich mit unserem Sprintcoach. Dann
werde ich versuchen, bei den Meisterschaften die erste NCAA-Meisterin über die
3000 Meter Hindernis der Frauen zu werden. Aber die Konkurrenz ist sehr
stark. Es gibt ein paar Läuferinnen, die schon seit Jahren die Hindernisse
laufen. Dadurch habe ich einen Nachteil, aber ich habe von früher einen
gewissen Background auf den Hürden und bin deshalb schon zuversichtlich. Bei
den Deutschen Meisterschaften möchte ich natürlich auch gerne gewinnen. Die
5000 Meter werde ich parallel zu den Hindernissen laufen und dort versuchen, die
IAAF-Norm von 15:22 Minuten zu knacken. Dafür brauche ich ein perfektes Rennen
und habe die Hoffnung, mich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, weil
ich nicht glaube, dass drei deutsche Läuferinnen die Norm unterbieten.
steeple.de:
Du warst im letzten Jahr für die Cross-WM in Portugal vom DLV nominiert.
Ist für Dich eine Teilnahme an der Cross-WM in Dublin im März ein Thema?
Larissa
Kleinmann:
Nein. Ich glaube auch nicht, dass mich der DLV dorthin mitnehmen würde. Im
letzten Jahr bin ich direkt von den Indoor-Nationals nach Portugal
weitergeflogen. Auf dem Weg dorthin habe ich das Flugzeug in Paris verpasst und
musste dort übernachten. Ich habe 48 Stunden für den Trip gebraucht, drei Tage
kaum geschlafen und war auch noch psychisch fertig von den Nationals. Das war
alles zuviel und ich bin danach krank geworden. Deshalb würde ich das nicht
noch einmal so machen, selbst, wenn mich der DLV mitnehmen würde. Das ist
nichts für die US-Saison. Aber es war trotzdem für mich eine Erfahrung und ich
habe es nicht bereut, dass ich da hin gegangen bin.
steeple.de:
In der NCAA bist Du zuletzt ungeschlagen zu den Cross Country Championships
gefahren und musstest dort letztlich mit dem 10. Platz Vorlieb nehmen. Wie
fällt Dein Fazit dieses Wettkampfs aus?
Larissa
Kleinmann:
Das hat mich ziemlich geärgert. Das Jahr zuvor war ich bei den Nationals
Dritte und diesmal war ich in viel besserer Form. Ich kam da hin und es waren
minus 28 Grad. Als Deutsche, die in Arkansas lebt, bin ich ein bisschen
verwöhnt, was das Winterwetter betrifft. Ich war diese Temperaturen nicht
gewohnt und habe mich zu sehr davon beeinflussen lassen. Alle vor mir kamen bis
auf eine Läuferin aus Minnesota oder New Hampshire, die mit diesen Bedingungen
besser umgehen konnten und deshalb bin ich nur Zehnte geworden. Auch wenn das
keine Entschuldigung ist, weil jeder bei den selben Bedingungen laufen muss. Ich
hätte Zweite oder sogar Erste werden können. Aber vielleicht bin ich bei
schlechtem Wetter ein bisschen ein "Schwächling".
steeple.de:
Du bist in den Staaten als sehr ehrgeizige Athletin bekannt. Wie würdest Du
Dich denn selbst beschreiben?
Larissa
Kleinmann:
Ja, das stimmt schon. Ich nehme das schon sehr ernst, vielleicht manchmal
auch zu ernst. Ich bin sehr hart zu mir selber, gerade, wenn es im Training
nicht so gut läuft. Ich glaube, es wäre besser, wenn ich lieber ein paar Tage
weniger trainieren würde.
steeple.de:
Wie sehen Deine Pläne, was die USA betrifft, mittel- und langfristig aus?
Larissa
Kleinmann:
Ich werde noch ein paar Jahre in den USA bleiben. Ich bin im Mai 2002 mit
meinem Bachelor's Degree in meinen Bereichen Marketing Management und Spanisch
fertig. Danach kann ich noch ein fünftes Jahr hier laufen, weil ich Outdoor
ausgelassen habe. Ich werde auch mein Masters Degree, wahrscheinlich in
Information Technology Management, anfangen und versuchen, mein Masters zu
bekommen. Das wird dann wahrscheinlich zwei weitere Jahre dauern. Im zweiten
Jahr habe ich vor, hier als Academic Advisor zu arbeiten, wodurch das Studium
weiter bezahlt wird. Somit werde ich auf jeden Fall noch drei bis vier Jahr hier
sein.
steeple.de:
Einer Deiner Spitznamen ist "The Hammer". Woher kommt das?
Larissa
Kleinmann:
Oder "Lilli-Hammer". Das entstand noch während meiner Zeit in
Boston. Einer aus dem Männerteam hat mich so genannt. In Arkansas nennen sie
mich auch teilweise "Lilli-Hammer". Ich weiß auch nicht so recht,
woher das kommt. Ich habe bei demjenigen, der das erfunden hat, nie nachgefragt.