ISTAF-Nachlese: Interview mit Stephane Franke

"Müssen kämpfen, drin zu bleiben"

Es wird viel passieren: Meinungen zur Golden League und Berlin

07.09.01 (up) Vor einer Woche ging in Berlin mit dem ISTAF die diesjährige Golden-League-Serie zu Ende. Die IAAF plant für 2003, die Anzahl der Stationen von sieben auf fünf zu reduzieren. Steeple-Reporterin Ulrike Philipp befragte dazu Stephane Franke, den Meetingdirektor des ISTAF in Berlin sowie drei der Gewinner des Golden-League-Jackpots.

Steeple:
Welche Faktoren sprechen für den Golden-League-Standort Berlin?

Stephane Franke:
Das ISTAF hat Tradition, 2001 war das 60. gewesen. Und dazu kommt die wirtschaftliche Kraft Deutschlands, die ganzen Sponsoren, die hier sind. Der Wirtschafsstandort Deutschland mit seinen 85 Millionen Einwohnern hat einfach ein gutes Gewicht.

Steeple:
Was haben Sie sich im nächsten Jahr vorgenommen? Denn im Vorfeld war es ja extrem schwer für Sie, das ISTAF finanziell zu sichern?

Stephane Franke:
Ja, klar. Wir werden versuchen, das ISTAF nächstes Jahr auf noch bessere finanzielle Beine zu stellen. Wir haben mehr Vorlaufzeit, dieses Jahr haben wir erst im Februar angefangen. Hinzu kam die Pleite der ISL im Juni, da hatten wir das ISTAF schon fast abgeschrieben. Und dann haben wir die Europameisterschaften in München - das ist die beste Werbung für das ISTAF.

Steeple:
Sie waren lange Jahre selbst aktiver Sportler. Von welcher Leistung waren Sie in diesem Jahr bei Ihrem Meeting am meisten begeistert?

Stephane Franke:
Das Schönste war der Abschluss: Ingo Schultz gegen Michael Johnson. Und dann natürlich der Sprung von Frank Busemann mit 8,04 Metern. Das freut mich einfach, dass er hier so eine tolle Leistung gebracht hat. Er hatte mich extra angerufen und gefragt, ob er mitspringen kann.

Steeple:
Sind Sie nach diesem Meeting schon aus dem langen Schatten von Rudi Thiel herausgetreten?

Stephane Franke:
Nun, das ist wohl etwas übertrieben. Der Rudi hat das ISTAF 33 Jahre gemacht, er hat es zu dem gemacht, was es heute eigentlich ist. Daran kann man einfach nicht vorbeischauen.

Steeple:
Und die Probleme und das Hickhack im Vorfeld?

Stephane Franke:
Das ist Schnee von gestern. Wir schauen nur nach vorne.

Steeple:
Wie sind Sie mit dem internationalen Leichathletikkalender und dem diesjährigen Datum des ISTAF zufrieden?

Stephane Franke:
Nicht so sehr. Für das ISTAF ist es schlecht, dass die Goodwill Games eine Woche später stattfinden. Viele Athleten, die einen Vertrag mit den Goodwill Games haben, wie Marion Jones oder Maurice Greene, die sind nicht nach Berlin gekommen. Maurice Greene beispielsweise hat einen Vertrag von 250.000 US-Dollar. Auch wenn er nun nicht lief, so nimmt er dort eine Woche lang Promotiontermine wahr. Das war damals keine gute Planung gewesen, als man den 31. August für das ISTAF ausgehandelt hat. Nächstes Jahr haben wir einen super Termin - drei Wochen nach den Europameisterschaften in München am 6. September. Da können wir die Werbewirkung der EM - wenn die Deutschen gut sind - auch nutzen.

Steeple:
Zufrieden mit den Zuschauerzahlen?

Stephane Franke:
Sehr. Unser Ziel war es, mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr zu bekommen, und das haben wir geschafft. Es waren 41.700 im Vergleich zu 35.000 im Vorjahr. Die Stimmung war auch super. Dieses Ergebnis ist gigantisch, vor allem, weil viele gesagt haben, das ISTAF ginge den Bach runter.

Steeple:
Welches Golden League Meeting ist denn gefährdet, wenn die Zahl von 7 auf 5 reduziert werden soll?

Stephane Franke:
Es ist angedacht, Monaco als Dauer-Grand-Prix-Finale zu nehmen. Rom ist natürlich gefährdet. Dieses Jahr hatten sie 20.000 Zuschauer und das spricht in einem 80.000-Mann-Stadion nicht gerade für die Popularität der Leichtathletik in Italien. Gut, wir beim ISTAF können uns natürlich auch nicht zurücklehnen und sagen, das wird schon alles für uns laufen. Wir müssen auch dafür kämpfen, drin zu bleiben. Aber das heutige ISTAF hat wieder gezeigt, dass die Leichtathletik einen Platz in Deutschland hat, und dass die Leute auch begeistert sind. Deshalb ist es umso trauriger, dass Nürnberg momentan diese Probleme hat. Wir brauchen Meetings wie das LIVE.

Steeple:
Was ist mit Oslo?

Stephane Franke:
Ich äußere mich nur zu Monaco und Rom. Mehr sage ich nicht. Mitte Oktober, beim Kalenderkongress der IAAF in Moskau wird das alles entschieden. Die Regelung betrifft das Jahr 2003. Für 2002 bleiben die Verträge mit den Meetings gleich.

Steeple:
Kann es sein, dass auch mehr als zwei Meetings rausfallen?

Stephane Franke:
Das werden die nächsten Wochen zeigen.

Steeple:
Könnten noch andere Meetings dazu kommen? London zum Beispiel?

Stephane Franke:
Da sage ich auch nichts dazu. In Amerika ist das Interesse zu gering. Japan ist auch noch nicht so weit. In Europa spielt eben die Musik in der Leichtathletik.

Steeple:
Hat also das ISTAF in diesem Jahr dem Standort Berlin Kredit gebracht?

Stephane Franke:
Bestimmt. Das haben die Zuschauer honoriert. Wir haben ein gutes Orga-Team und feine Sponsoren. Und dann bringen auch die Athleten tolle Leistungen. Man muss auch neue Dinge schaffen, wie etwa diese Staffel Schultz gegen Johnson. Das war eine Sache, wo ich mir gedacht hab, da lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Und dann haben wir Ingo nach Berlin geholt. Außerdem wird das Olympiastadion in drei Jahren vollständig renoviert sein, dann ist es ein richtiges Schmuckkästchen.

Meinungen der Athleten:

Hicham El Guerrouj:
Dass es ab 2003 nur noch fünf Golden League Meetings geben soll, kann ich nur begrüßen. Es ist besser für die Athleten, insbesondere in Jahren, wo Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften stattfinden. Wenn man dann noch bei sieben hochkarätigen Meetings antreten muss, dass ist schon sehr hart. Ich persönlich fand übrigens die Golden Four, als es nur vier Meetings gab, die beste Lösung.

Allen Johnson:
Was ich dazu sage, dass die Anzahl der Golden League Meetings von sieben auf fünf reduziert werden soll? Eigentlich habe ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht. Die Meetingdirektoren und die IAAF werden sicherlich ihre guten Gründe dafür haben. Die Reduzierung ist sicherlich gut für die Athleten und deren Gesundheit. Dieses Jahr hat es ja auch wieder viele Verletzungen gegeben. In einem Jahr, wo Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften sind, ist es sehr hart, bei sieben solcher Meetings anzutreten.

Olga Jegorowa:
Der Reduzierung von sieben auf fünf Meetings sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits ist es leichter, weil es weniger Wettbewerbe gibt. Andererseits ist es für uns Athleten auch schwieriger, weil man dann keinen Fehler machen darf, das heißt, nicht verlieren darf, wenn man am Jackpot teilhaben will.

von Ulrike Philipp

 

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