steeple.de:
Stephane, neben dem Ende Deiner sportlichen Laufbahn überrascht vor allem
Deine Entscheidung, die erfolgreiche Trainingsgruppe des SCC Berlin aufzulösen.
Gibt es für Dich einen Weg zurück?
Stephane
Franke:
Nein, so wie es aussieht nicht. Es müsste schon etwas Sensationelles
passieren. Das heißt, es müsste mir ein Trainerjob mit einer entsprechenden
Bezahlung angeboten werden. Es gibt in Berlin zwei OSP-Trainer, die vom
Landesverband und vom DLV bezahlt werden. Eine Stelle hat Klaus Beer, die andere
war von Rainer Pottel besetzt, der jetzt Weitsprung-Bundestrainer ist. Diese
Stelle war offen und um diese hatte ich mich beworben und seither nichts in
dieser Hinsicht gehört. Ich glaube, ich habe mich oft genug bemüht, die
entsprechenden Leute zu kontaktieren. Wenn kein Interesse geäußert wird, muss
man eben auch die Konsequenzen daraus ziehen.
steeple.de:
Wie
sah der Verlauf der letzten Wochen auf
der Suche nach einer Lösung, auch im Interesse Deiner Athleten, aus?
Stephane Franke:
Ich
habe mittlerweile drei Monate darauf gewartet, dass sich von Seiten des
Verbandes etwas tut. Ich musste nun irgendwann für mich und meine Athleten eine
Entscheidung treffen. Denn ich kann diese nicht bis Mitte Januar hinhalten, um
dann zu sagen, ich mache doch nicht als Trainer weiter. Mitte September hatte
ich die ersten Gespräche mit DLV-Generalsekretär Frank Hensel geführt, danach
mit dem Olympiastützpunkt und dem Landesverband in Berlin. Vor rund vier Wochen
gab es auch den Vorschlag von Seiten des SCC Berlin, eine Stelle zu kreieren,
bei der Verband und Verein jeweils die Hälfte bezahlen. Darauf kam leider keine
entsprechende Reaktion des Verbandes. Danach stand zunächst im Vordergrund,
Jirka Arndt und Damian Kallabis dem Verein zu erhalten, damit sich die beiden in
Ruhe auf die Europameisterschaft 2002 in München vorbereiten können. Damit war
natürlich auch das Geld für die Mischfinanzierung erst mal verplant. Meiner
Meinung nach war aber auch wichtiger, dass die Athleten abgesichert sind. Für
mich ist jetzt ein Schlusspunkt erreicht. Ich habe zuletzt nichts mehr von
Verbandsseite gehört, obwohl die vorhandene Problematik bekannt war. Ich hatte
inzwischen den Verdacht, dass hier die Vermutung bestand, dass ich so wie bisher
weitermachen würde. Dass dies nicht der Fall sein wird, sagte ich erst vor
kurzem noch dem leitenden Bundestrainer Dr. Bernd Schubert, aber ohne Reaktion
seinerseits.
steeple.de:
Wie geht es mit Deinen Topathleten Jirka Arndt und Damian Kallabis
jetzt weiter?
Stephane
Franke:
Jirka wird zu seinem alten Trainer Axel Pohlmann zurückkehren. Damian hatte
ich empfohlen, dass er sich von seinem Disziplintrainer Dieter Herrmann beraten
lässt und mit ihm zusammenarbeitet. Ich hatte viel Spaß mit den Jungs, die
natürlich auch nicht glücklich über die Situation sind und das Verhalten der
Verbände nicht verstehen. Veränderungen sind
generell schwierig. Für Jirka sehe ich mittel- und langfristig auf den
längeren Strecken, auch im Marathon, die Perspektiven. Vielleicht wird er
nächstes Jahr beim Berlin-Marathon als 'Hometown-Hero' seinen ersten Versuch wagen. Der Sprung
auf die längere Strecke muss in Deutschland früher passieren.
steeple.de:
Deine Entscheidung hat nun auch Auswirkungen auf die Neuzugänge wie
Larissa Kleinmann, die sich vor kurzem dem SCC Berlin angeschlossen
haben...
Stephane
Franke:
Wir hatten vor, hier ein Laufteam aufzubauen. Michael Gottschalk wollte sich
auch anschließen. Der Schweizer Marathonläufer und Olympia-Teilnehmer Viktor
Röthlin ebenso. Das wird damit alles hinfällig. Wenn man sich das überlegt,
ist es eigentlich kaum zu glauben und schade für die Leichtathletik. Mir ist
die Entscheidung nicht einfach gefallen, aber ich erwarte andere Signale, auch
von Seiten des Verbandes.
steeple.de:
Wie
sehen Deine weiteren Pläne nun aus?
Stephane
Franke:
Ich habe konkret eine Stelle angeboten bekommen. Daneben gibt es noch eine
weitere Position im Sportmarketingbereich, zu der ich mich Mitte Januar
entscheiden werde. Mit dem Zeitpunkt bin ich dann ganz aus der Leichtathletik
draußen. Falls ich mich selbständig machen sollte, zum Beispiel auch mit
meinen Seminaren, die ich auf jeden Fall bis auf weiteres weitermachen werde,
bleibt natürlich auch nicht mehr die Zeit, die Dinge so anzupacken, wie ich es
bisher gemacht habe. Ohne dieses professionelle Arbeiten kann man sich nicht in diesem
Spitzenbereich behaupten und daran wird man letztlich auch gemessen. Die
Trainerkarriere habe ich deshalb nun mit schwerem Herzen für mich beendet. Im
sportlichen Bereich hatte ich ohnehin geplant, die Laufbahn nach Sydney
abzuschließen. Nach zehn Jahren ohne größere Verletzungen waren in diesem
Jahr auch die entsprechenden Signale des Körpers da.
steeple.de:
Wirst Du weiterhin im Fernsehbereich aktiv sein?
Stephane Franke:
Ja, ich werde nach wie vor bei Eurosport im Einsatz sein, je nach dem, wie
es die Zeit dann auch beruflich zulässt. Am Wochenende ist bestimmt die Zeit da
und wie es unter der Woche aussieht, muss man abwarten. Aber wenn ich einen Job
annehme, kann ich auch nicht einfach sagen, dass ich jetzt zwei Tage für den
Sender weg muss. In der Halle sind zunächst fünf, sechs Fernsehtermine
geplant.
steeple.de:
Wie definierst Du Deine Ziele für die nun anstehende Zeit nach der
Leichtathletik?
Stephane
Franke:
Ich habe jetzt andere Ziele. Berufliche Ziele. Ich will vorwärts
kommen. Ich habe noch Motivation. Das, was ich im Sport gelernt habe,
nämlich zielstrebig zu arbeiten, möchte ich jetzt in einem anderen
Bereich umsetzen. Das wird sicherlich etwas mit Sport zu tun haben, denn
dafür bin ich zu sportverrückt, um dort völlig rauszugehen. Aber es
wird eine ganz andere Aufgabe sein, auf die ich mich freue.