steeple.de:
Ato, Sie haben bei den Olympischen Spielen in Sydney zwei Medaillen
gewonnen. Es war Ihre dritte Olympia-Teilnahme. Wie fällt Ihr persönliches
Sydney-Fazit aus?
Ato
Boldon:
Das einzige, was ich in Sydney besser hätte machen können, wäre gewesen,
zwei Goldmedaillen zu gewinnen. Ich bin im letzten Jahr nach meiner schweren
Verletzung im Jahr 1999 zweimal unter zehn und einmal unter 20 Sekunden
gelaufen. Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich in der Lage war, zwei Medaillen
zu gewinnen. Nun will ich in die Verfassung zurückkommen, in der ich vor meiner
Verletzung war. Ich habe bereits vier Medaillen bei Olympia gewonnen und
trotzdem immer noch etwas, auf das ich mich freuen kann - auf die Goldmedaille.
steeple.de:
Sie
kamen 1988 aus Trinidad & Tobago in die Vereinigen Staaten. Was hat sich
dadurch in Ihrem Leben alles verändert?
Ato Boldon:
Es
hat sich dadurch alles geändert. Trinidad ist ein Land, in dem es einfach
gewisse Einschränkungen gibt. Das ist normal, für ein Land der Dritten Welt
und eine Insel. Durch den Wechsel in die USA war es mir erst möglich, unter
John Smith und zusammen mit Leuten wie Maurice Greene und Jon Drummond zu
trainieren. Das hat alles dazu beigetragen, dass aus mir der Sprinter geworden
ist, der ich jetzt bin.
steeple.de:
Sie haben gerade Erfolgscoach John Smith erwähnt. Was ist sein
Geheimnis?
Ato
Boldon:
John Smith ist einfach in dem gut, was er tut. Es hat alles seine Gründe.
Viele Trainer sind begabt, John Smith wurde diese Gabe ganz besonders gegeben.
Er geht auf jeden seiner Athleten zu und versucht, die Schwächen des einzelnen
zu eliminieren. Das ist auch das Geheimnis unserer Gruppe, da sich hier auch
jeder einzelne einbringt und mit den anderen arbeitet. Man kann schon sagen, das
zum Beispiel Maurice Greene und ich uns gegenseitig nach vorne peitschen und der
eine das Geheimnis des Erfolgs des anderen ist.
steeple.de:
Sie hatten einen Hallenstart in den USA geplant, das Meeting wurde nun
abgesagt...
Ato
Boldon:
Zum Glück. Es ist bekannt, dass ich die Halle nicht mag. Wenn ich dort
trotzdem laufe, dann hat das seinen bestimmten Grund. Im letzten Jahr wollte ich
dort einfach nach der Verletzung meine Verfassung testen und ob das Bein hält.
Jetzt wurde das Staples Center Meeting abgesagt. Mein Gefühl sagt mir, dass ich
die Saison im Freien eröffnen sollte und das werde ich in Kürze machen.
steeple.de:
Sie
sind ein begeisterter Internet-User, Sie nutzen Technologien wie ICQ und haben
eine eigene Website (www.atoboldon.com).
Wie wichtig ist diese Art der Kommunikation für Sie?
Ato
Boldon:
Ich bin sehr stolz auf meine Website. Das Internet ist die Zukunft und das
ist auch der Grund, weshalb ich so früh schon eine eigene Seite habe. Als ich
in meinem Büro in Los Angeles saß, konnte ich mich über das Internet mit
einem Kind in Russland unterhalten, das wissen wollte, was an meinem Start nicht
passte. Man kann diese Technologie auch nutzen, um die nächste Generation an
Athleten heranzuführen. Deshalb macht mir das auch wirklich Spaß.