Interview mit Annika Becker

"Nicht realisiert, was passiert ist"

Annika Becker holte mit geliehenen Stäben Rekord und Meistertitel

03.07.01 (up) "Manchmal komme ich von einem Wettkampf nach Hause und weiß gar nicht, wo ich nun gesprungen bin." O-Ton Annika Becker. Als die Athletin von der LG Alheimer/Rotenburg/Bebra von den Deutschen Meisterschaften nach Hause gefahren ist, hat sich die Stätte ihres Erfolges, das Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion, aber sicherlich für immer in ihr Gedächtnis gebrannt. Die 19-jährige überraschte alle - und wohl am meisten sich selbst - nicht nur mit dem ersten Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Der Titel ging nämlich für nicht weniger als einen neuen Deutschen Rekord weg - der Wettkampf war daher die Sensation in Stuttgart. Ist es ein Zufall, dass die frischgebackene Deutsche Meisterin genauso ein Rotschopf ist wie russische Überfliegerin Svetlana Feofanova? Gleich nach der Siegerehrung stellte sich die quirlige, überglückliche Annika den Fragen von Steeple.

Hattest Du Angst, als die Latte bei 4,55 Metern lag und Du angelaufen bist?

Annika Becker:
Nein, denn ich habe mir die Höhe gar nicht angeschaut. Ich hatte gar kein Gefühl dabei, sondern bin einfach losgelaufen und habe gar nicht nachgedacht. Mein Motto ist da: Einfach durch! Ein gewisser Respekt vor der Höhe, vor der Latte und vor dem Stab ist immer da. Das Publikum hat super mitgefiebert und so hat es bei mir geklappt. Die 4,55 Meter bin ich mit einem Stab gesprungen, den ich mir vor dem Wettkampf von Monika Götz ausgeliehen hatte. Für die 4,61 Meter habe ich mir dann noch einen anderen, härteren Stab während des Wettbewerbs geliehen.

Du bist die Sensation der Deutschen Meisterschaften...

Annika Becker:
Noch vor einer Woche lag meine persönliche Bestleistung bei 4,41 Meter - heute habe ich mich um 14 Zentimeter gesteigert. Ich habe einen neuen Deutschen Rekord aufgestellt und liege 5 Zentimeter unter dem Europarekord. Das ist phantastisch. Das kommt alles so schnell auf einmal, ich konnte noch gar nicht darüber nachdenken. Ich habe noch nicht realisiert, was passiert ist! Jetzt bin ich auch für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Edmonton wird eine riesengroße Erfahrung für mich. Mein Wunsch ist es, dort in den Endkampf zu kommen.

Kannst Du Dir diesen Leistungssprung erklären?

Annika Becker:
Ich weiß nicht so recht. Vielleicht bin ich ein bisschen nervenstärker geworden. Ich habe meinen Anlauf auf 16 Schritte verlängert, nachdem ich ihn letztes Jahr um zwei Schritte auf 14 verkürzt hatte. Aber eigentlich habe ich keine Ahnung, warum ich so riesen Fortschritte in so kurzer Zeit gemacht habe.

Mit wem bist Du zu den Meisterschaften gefahren?

Annika Becker:
Meine Mutter ist im Stadion. Ich hatte noch gar keine Zeit, mit ihr über meinen Erfolg zu sprechen! Ansonsten sind ein paar Bekannte mitgekommen und der Vorsitzende meines Vereins.

 

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