Interview mit Ingo Schultz

"Machte von Anfang an Feuer"

"No brain - no pain" Schultz lässt Leichtathletik-Deutschland jubeln

07.08.2001 (fc) Bereits das Erreichen des WM-Finales über 400 Meter war für Ingo Schultz ein großartiger Erfolg. Es wurde zwar im Vorfeld viel über seine Chancen spekuliert, aber dass er am Ende nach 44,87 Sekunden als Zweiter über Silber jubeln durfte, war die erste große Sensation aus deutscher Sicht bei den Titelkämpfen in Edmonton.

Ingo, hast Du Deinen Erfolg schon registriert?

Ingo Schultz:
Ich träume noch ein bisschen. Ich denke, das dauert noch, bis ich das verarbeitet habe. Noch bin ich nicht aufgewacht. Es ist unglaublich, ich habe bei meiner ersten Weltmeisterschaft Silber geholt. Das war nicht zu erwarten und ich kann es noch gar nicht in Worte fassen. 

Wie bist Du nach Deinen schnellen Zeiten im Vorlauf und im Halbfinale in den Wettkampf hineingegangen?

Ingo Schultz:
Ich habe gehofft, dass ich noch einmal gut laufen kann. Ich habe einfach mein Ding gemacht und dann den zweiten Platz erlaufen. Es ist absolut irre. Ich war vor dem Rennen schon aufgeregt, hatte aber das nötige Selbstvertrauen und nichts zu verlieren. Ich machte von Anfang an Feuer und dann habe ich das Ding rausgelassen. Das ist wunderbar, das ist sensationell. Ich werde jetzt erst mal den Rummel genießen. Die Zeit holt mich sicher wieder runter. Die Mannschaft stand hier auch voll hinter mir, das war schon klasse. 

Wie geht es jetzt für Dich weiter?

Ingo Schultz:
Ich werde jetzt noch in der Staffel laufen. Darauf freue ich mich schon. Wir wollen den Endlauf erreichen und ich denke, dafür muss man 3:01 Minuten laufen. Die anderen Jungs sind aber alle gut drauf. Danach werde ich erst einmal feiern und Urlaub machen. Ich warte ansonsten mal ab, was passiert und alles auf mich zukommt.

Wie ist der Finallauf aus Deiner Sicht verlaufen?

Ingo Schultz:
Ich wusste, dass Moncur und Haughton schnell angehen und hatte damit gerechnet, dass sie auf der Zielgerade an mir vorbeilaufen. Ich habe dann aber gemerkt, dass noch was geht und es ging wirklich noch etwas. Ich konnte noch einen packen. 

Hattest Du auch auf Gold spekuliert?

Ingo Schultz:
Ich hatte schon das Gefühl, ich kann Weltmeister werden. Bloß das hatten alle in dem Lauf. Ich denke, das Lockerbleiben ist meine Stärke.

Definierst Du jetzt bereits Deine neuen Ziele?

Ingo Schultz:
Das kann ich jetzt noch nicht konkret sagen. Nächstes Ziel ist sicher die Europameisterschaft in München. Da werde ich nun wahrscheinlich Favorit sein, aber damit komme ich gut klar. Der deutsche Rekord, zugleich Europarekord, ist schon noch harter Tobak. Vor allem hatten wir hier in Edmonton auch eine schnelle Bahn. Ich weiß jetzt auch noch nicht, wo es hingeht.

Danke für das Gespräch!

 

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