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Weltmeisterschaft in Edmonton

Fast so abgezockt wie Marion Jones

Für Peoria Koshiba ist die WM bereits ihr drittes großes Event

08.08.01 (fc) Peoria Koshiba ist die schnellste Frau auf Palau. Palau? Die Republik liegt 850 Kilometer südostlich von den Philippinen im Pazifik und besteht aus 241 Inseln mit 18.000 Einwohnern. Hin und wieder verirren sich auch Europäer dahin. Und alle ein, zwei Jahre bricht ein kleines Leichtathletik-Team zu der Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen auf. Die 22jährige ist die schnellste Frau von der Insel und nimmt in Edmonton zum zweiten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Inzwischen kennt sie das Flair und die Nervosität hielt sich in Grenzen, als sie in Edmonton mit einer Zeit von 13,50 Sekunden die 100 Meter zurücklegte und mit einem Lächeln auf den Lippen ins Ziel lief.

Beunruhigt hatte sie aber am Start ganz was anderes. Sie hatte einen Fehlstart verursacht: "Der Starter hat zu lange gewartet. Das hatte ich noch nie, dadurch habe ich die Konzentration verloren."

Dabei sagt sie, dass sie mittlerweile so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringt. Sie gab 1997 bei der WM in Athen ihre internationale Premiere. Damals als 18jährige. "In Griechenland hat es mir besser gefallen als hier in Edmonton, weil es meine erste Weltmeisterschaft war. Ich will 2004 bei den Olympischen Spielen wieder dort laufen." Auch Olympia hat sie im vergangenen Jahr in Sydney bereits kennengelernt und war von der Atmosphäre beeindruckt. Sie hatte die Möglichkeit, sich mit finanzieller Unterstützung in Australien vorzubereiten und steigerte dadurch bei ihrem Einsatz im Zeichen der Ringe ihre persönliche Bestzeit auf 12,60 Sekunden.

Es fehlen aber die Mittel, die nötig wären, um die Sportart so auszuüben, wie man es in weiten Teilen der restlichen Welt macht. Es gibt große Unterschiede, man versucht, sich zu verbessern. Oft ist Improvisation angesagt und der Trainer hilft, wo er kann. Manchmal übernimmt er auch die Massagen seiner Athleten. "Ansonsten muss ich das aus der eigenen Tasche zahlen", sagt Koshiba, die mit 14 Jahren den Sport begonnen hat. "Ich habe damit angefangen, weil ich es liebe, zu laufen." Sie trainiert mit den Männern, damit sie weiter dazulernt und ist dort so etwas wie der kleine Bruder der Jungs. Ihre heimliche Liebe sind die 200 Meter. "Ich mag die Sprintbewerbe, das andere interessiert mich nicht so." Auf den Kurzstrecken hat sie bei den "Olympics" von insgesamt sieben Inselstaaten schon mehrere Siege und Medaillen eingeheimst. Vor vier Jahren war noch Gail Devers ihr großes Idol. Mit großen Augen saß sie im Stadion, als die US-Amerikanerin über die Zielgerade jagte. Auch das hat sich mittlerweile geändert, wie sie sagt. Ein Vorbild gibt es nicht mehr. Ob sie ihr eigenes Vorbild sei? "Vermutlich ja", lacht sie. Das 100-Meter-Finale der Frauen in Edmonton hat sie verschlafen: "Ich war schon überrascht, als ich gehört habe, dass Marion Jones verloren hat."

Peoria Koshiba ist eine Frau aus einem kleinen Land, die schon früh auf eigenen Beinen stand. Bereits 1995 verließ sie ihre Heimat, um in den USA auf das College zu gehen. Nach vier Jahren kehrte sie mit dieser Erfahrung, die sie stark prägte, nach Palau zurück, wo sie nun auch einer ganz normalen Arbeit nachgeht. "Der Sport ist eine freiwillige Sache."

Sie kennt die Staaten, kam aber nun das erste Mal nach Kanada. "Es ist schön hier", sagt sie zu Edmonton, kämpft aber immer noch mit dem Jetlag und ist oft müde. Rund einen ganzen Tag war das dreiköpfige Team mit einem Coach und dem weiteren Sprinter Conrad Rdechor, der über 200 Meter mit 22,86 Sekunden eine neue Bestzeit lief, unterwegs, bis sie am 2. August in der WM-Stadt eintrafen. Was Peoria nicht so gefällt, ist das Athletendorf auf dem Unigelände. "Wir haben kein Telefon und keinen Fernseher auf dem Zimmer." Deshalb hat die kleine Mannschaft von dem Inselstaat bereits einen Ausflug zur berühmten West Edmonton Mall unternommen und am Donnerstag steht eine Wiederholung auf dem Programm. 

Das kleine Team aus Palau gehört zu den heimlichen Stars einer Weltmeisterschaft. Es sind die Athleten, die das Salz in der Suppe ausmachen und wie Peoria Koshiba vor allem eines tun: Geniessen, in einem so großen Stadion mit den Weltstars laufen zu dürfen.

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