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Hallen-EM in Wien
Feofanova: "Rekord Frage
der Form"
Russin
schätzt deutsche Konkurrenz in Wien stark ein
28.02.02
(pm) Ganz nach dem Vorbild ihres sportlichen Idols Sergej Bubka hat die
zierliche Moskauerin Svetlana Feofanova in diesem Winter den
Stabhochsprung-Weltrekord der Amerikanerin Stacy Dragila in vier Anläufen
von 4,70 auf 4,74 Meter verbessert und dafür jedes Mal 50 000 Euro
erhalten. „In Stuttgart sogar ein bisschen mehr“, bemerkt sie lächelnd.
„Aber in Deutschland werden auch 30,6% Steuern abgezogen.“
Ungeschlagen ist die Hallen- und Freiluft-WM-Zweite in diesem Jahr, und
das will sie auch in Wien bleiben, wo sie bereits zu ihrem neunten
Wettkampf antritt. Ob sie am Sonntag wieder Weltrekord springen wird?
„Der Sieg steht im Zentrum“, sagt Feofanova diplomatisch. „Es ist
eine Frage der Form, ob es wieder ein Weltrekord wird. Aber es ist schon
so, dass die Athleten es begrüßen würden, wenn auch die EAA bei ihren
Veranstaltungen Prämien ausschütten würde.“ Bei der Hallen-EM gibt es
– im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften und den Meetings – kein Geld
für Titel und Rekorde. Nur Medaillen. Nach den zweiten Plätzen hinter
der Tschechin Pavla Hamackova bei der Hallen-WM und hinter Dragila an der
Freiluft-WM 2001 wäre es die erste goldene für die ehemalige
Kunstturnerin, die 1997 durch einen Leichtathletik-Trainer zum
Stabhochsprung gebracht wurde. Seit drei Jahren trainiert sie profimäßig
bei Jewgeni Bondarenko, der sie 2001 zu den ersten Europarekorden (im
Freien übersprang sie an der WM in Edmonton schon 4,75 Meter) und in
diesem Jahr zu den Hallen-Weltrekorden führte.
Den Umstieg hat die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Springerin,
die mit Mutter, Schwester, Tante und Onkel zehn Jahre lang in einer
winzigen Wohnung hauste, nicht bereut.
Hamackova tritt in Wien als Titelverteidigerin an, als stärkste
Gegnerinnen schätzt Feofanova aber die von Yvonne Buschbaum angeführten
drei deutschen Stabhochspringerinnen ein. Sie ist bereits am Montag aus
Frankreich angereist, um sich nach den vielen Wettkämpfen in Ruhe
vorbereiten – und ein wenig die Stadt besichtigen zu können. Eine
kleine Tour über den Ring und durch die geschichtsträchtige Wiener
Innenstadt hat sie stark beeindruckt.
Nachdem sie am vergangenen Sonntag in Liévin 4,74 Meter übersprungen
hatte, absolvierte Svetlana Feofanova mit einem neuen, härteren Stab
einen Versuch auf 4,82 Meter. „Mit diesem Stab kann man 4,90 Meter
springen“, ist sie überzeugt. Schlecht ist nur, dass der Stab für ein
Körpergewicht von 68 Kilogramm konstruiert ist, die 1,63 Meter große
Russin aber nur 49 Kilogramm wiegt.
Im vergangenen Dezember hatte sie sich im Training sogar schon an der
„Traumgrenze“ von 5 Meter versucht. Vergeblich allerdings. "Fünf
Meter sind möglich. Ich besitze die Voraussetzungen dafür. Das Problem
sind die Technik und die Konkurrenz“, sagt Feofanova. Ihre athletischen
Fähigkeiten sind beeindruckend: 6,33 Meter springt sie weit, die 60 Meter
lief sie handgestoppt schon in 6,82 Sekunden. Wenn das stimmt, wäre sie
auch als Sprinterin Klasse. „Die Schnelligkeit“, erklärt sie,
„garantiert aber noch keine Höhe. Es gelingt mir noch nicht, die größte
Schnelligkeit am Einstichkasten auch umzusetzen.“ Dass dies einmal der
Fall sein wird, davon ist sie überzeugt. Mit 21 liegt die Zukunft in
dieser jungen Disziplin noch vor ihr.
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