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Hallen-EM in Wien
Chancen, Infos und
Hintergründe
DLV peilt
insgesamt vier bis sechs Medaillen an
28.02.02
(fc) Wien erwartet Sie. Das ist ein Slogan des Tourismusverbandes. Am
kommenden Wochenende kommen noch ein paar zusätzliche Gäste nach Wien.
Der Leichtathletik-Tross macht zur Hallen-Europameisterschaft, dem Höhepunkt
des Winters, Station. Bereits zum dritten Mal ist die österreichische
Metropole nach 1970 und 1979 Schauplatz dieser Veranstaltung. Die deutsche
Mannschaft geht mit insgesamt 28 Athleten, also einem recht überschaubaren
Kader, an den Start, hat aber durchaus mehrere berechtigte
Medaillenhoffnungen mit an Bord.
Die Stabhochspringerinnen konnten am letzten Freitag in Chemnitz für das
Rennen um die Medaillen mächtig Selbstvertrauen tanken. Beim dortigen
Hallen-Meeting überquerte das Wien-Trio Annika Becker, Yvonne Buschbaum
und Christine Adams zunächst die deutsche Rekordhöhe von 4,57 Metern im
Paket. Becker und Buschbaum legten sogar noch eine Schippe drauf und
schraubten die nationale Bestmarke auf 4,62 Meter. „Jeder von uns
hat’s drauf“, umschreibt die Sportsoldatin Buschbaum das
Erfolgsgeheimnis der Truppe, die oft in Mainz unter Bundestrainer Herbert
Czingon zusammen trainiert. Während Annika Becker zunächst die Höhe von
Chemnitz bestätigen möchte, geht die Stuttgarterin einen Schritt weiter:
„In Wien heißt die Herausforderung Svetlana Feofanova.“ Yvonne
Buschbaum hatte zum Abschluss des denkwürdigen Bewerbs in Sachsen einen
knapp gescheiterten Versuch über die Weltrekordhöhe von 4,74 Metern und
tastete sich an das Höhengefühl der Russin heran: „Das war schon
knapp.“ Feofanova wird die Höhenflüge der deutschen Konkurrentinnen,
die damit zu heissesten Medaillenkandidatinnen avancierten, sicherlich zur
Kenntnis genommen haben und in Wien auf der Hut sein.
Das müssen auch die deutschen Stab-Männer. Tim Lobinger, der in Chemnitz
die Ausscheidung mit Danny Ecker für sich entschied, bringt es auf den
Punkt: „Wir stehen unter Zugzwang, wir müssen eine Medaille holen.“
Mit 5,80 Metern ist er der deutsche Jahresbeste und möchte diese Höhe in
Wien toppen. Damit rechnet er sich den Sprung auf das Treppchen aus. Das
gewohnt starke deutsche Stabhochsprungtrio komplettieren der Deutsche
Meister Richard Spiegelburg und U23-Europameister Lars Börgeling. „Der
Brite Nick Buckfield, die Osteuropäer und möglicherweise der Israeli
Alexander Averbukh sind unsere stärksten Konkurrenten“, so Lobinger.
Vor dem Überstreifen
des Nationaltrikots zeigte sich Hürdensprinterin Kirsten Bolm in Chemnitz
ebenfalls noch einmal von ihrer besten Seite. In 7,92 Sekunden verbesserte
sie trotz eines schwachen Starts ihre persönliche Bestleistung nach dem
Sieg bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften um fünf Hundertstel. „Den
Rest habe ich mir für die Hallen-EM in Wien aufgehoben“, lässt sie
Raum für Spekulationen und gibt ihr Ziel aus: „Ich will unter 7,90
Sekunden laufen und eine Medaille holen.“ Von den Europäerinnen waren
bislang nur die Spanierin Glory Alozie und Olympiasiegerin Olga Shishigina
aus Kasachstan schneller.
Wieder im Aufwind befindet sich Andrea Philipp. „Jetzt ist der Knoten
aufgegangen“, freute sie sich über ihre 7,19 Sekunden in Chemnitz. Die
Hallen-EM in Wien will sie möglichst locker angehen: „Ich nehme mir
erst einmal gar nichts vor, für mich ist im Hinblick auf den Sommer vor
allem die internationale Präsenz wichtig.“ Gemeinsam mit
Staffel-Vize-Weltmeisterin Marion Wagner wird sie die DLV-Farben über 60
Meter vertreten, während die in Eigenregie anreisende Gabi Rockmeier auf
den 200 Metern hofft, im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitreden zu
können.
Das ist auch für die Berlinerin Claudia Marx das insgeheime Ziel. „Ich
will erst mal in das Finale kommen“ gibt sie sich vorsichtig. Ihre überzeugende
Vorstellung von Sindelfingen, wo sie sich in der Endzeit von 51,80
Sekunden an die Fersen von Grit Breuer heftete, gibt durchaus Anlass zur
Hoffnung, selbst wenn die 23-jährige, die sich nach der Hallen-EM den
Weisheitszahn ziehen lässt, meint: „Die Zeiten sind für mich etwas
verwunderlich, weil es im Training nicht so lief, dass ich diese hätte
erwarten können.“
Ein perfekte Hallensaison legte bislang der junge Wattenscheider Bastian
Swillims auf die Bahnen. Der Aufsteiger des Winters schraubte im
Glaspalast bei den Titelkämpfen seine Bestzeit auf stolze 46,22 Sekunden
und ist damit ebenfalls zu den heissen Podestanwärtern im deutschen Lager
zu zählen, wenn er gut durch alle drei Runden kommt.
Zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten sind aus dem deutschen Lager
außerdem die Hürdensprinter Mike Fenner und Florian Schwarthoff sowie
die Weitspringer Kofi Amoah Prah und Schahriar Bigdeli zu zählen.
Für die jungen Athletinnen wie Nadine Hentschke, Kathryn Holinski oder
Sabrina Mockenhaupt bietet die Hallen-EM in Wien die Chance, im Hinblick
auf die Aufgaben im Sommer, wenn die Freiluft-Europameisterschaft in München
stattfindet, wichtige Erfahrungen zu sammeln.
Mit Ex-Weltmeister Charles Friedek musste einer der nach den
Hallen-Meisterschaften noch übrig gebliebenen Headliner der deutschen
Mannschaft die Teilnahme wegen einer Fersenprellung absagen. Nun wird er
aus der Ferne beobachten, wie sein Nachfolger ermittelt wird. Das gilt
auch für die Magdeburger 800-Meter-Läuferin Ivonne Teichmann, die wegen
Rückenproblemen ihre Teilnahme absagte.
Die deutsche Mannschaft reist am Donnerstagnachmittag von Frankfurt aus
nach Wien. Die ersten Wettkämpfe steigen am Freitagvormittag. Bei der
ersten Entscheidung, dem Fünfkampf der Frauen, ist die Neubrandenburgerin
Sonja Kesselschläger mit dabei, während die abschliessenden Staffeln am
Sonntag ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gehen werden. "Die
Hallen-EM ist eine wichtige Station in der Vorbereitung auf das
Hauptereignis Europameisterschaft in München. Unser Ziel ist es, in Wien
vier bis sechs Medaillen zu holen", sagte Bundestrainer Dr. Bernd
Schubert im Vorfeld des anstehenden Events. Diese Chance gilt es zu
nutzen.
Der deutsche Hallen-EM-Kader für Wien
Männer:
60 und 200 Meter: Marc Blume (TV Wattenscheid), 400 Meter: Bastian
Swillims (TV Wattenscheid), 60 Meter Hürden: Mike Fenner (TV
Wattenscheid), Florian Schwarthoff (OSC Berlin), Jan Schindzielorz (LAC
Quelle Fürth/München); Stabhochsprung: Richard Spiegelburg (Bayer
Leverkusen), Lars Börgeling (Bayer Leverkusen), Tim Lobinger (LG
Eintracht Frankfurt); Weitsprung: Kofi Amoah Prah (LG Nike Berlin),
Schariar Bigdeli (Bayer Leverkusen); Dreisprung: Thomas Moede (LG Ost
Berlin), Kugelstoßen: Detlef Bock (SCC Berlin) Ralf Bartels (SC
Neubrandenburg), Andy Dittmar (LG Ohra/Hörsel).
Frauen:
60 Meter: Andrea Philipp (LG Olympia Dortmund), Marion Wagner (USC Mainz);
200 Meter: Gabi Rockmeier (LG Olympia Dortmund), 400 Meter: Claudia Marx
(LG Nike Berlin); 60 Meter Hürden: Kirsten Bolm (LT DSHS Köln), Nadine
Hentschke (MTG Mannheim); 3000 Meter: Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg);
Hochsprung: Kathryn Holinski (LG Olympia Dortmund), Elena Herzenberg (ABC
Ludwigshafen); Stabhochsprung: Annika Becker (LG Alheimer Rotenburg/Bebra)
Yvonne Buschbaum (VfB Stuttgart), Christine Adams (Bayer Leverkusen), Fünfkampf:
Sonja Kesselschläger (SC Neubrandenburg).
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