Klicken Sie hier!


Hallen-EM in Wien

Ein Solo für André Bucher

Der Schweizer Nationalheld will am Wochenende ein weiteres Gold

26.02.02 (pm) Gold bei den Weltmeisterschaften in Edmonton, einer der Golden-League-Jackpot-Gewinner, Gesamtsieger im Grand Prix, Schweizer Sportler des Jahres, Europas Leichtathlet des Jahres, eine Steigerung der Bestzeit von 1:42,92 auf 1:42,55 Minuten bei Weltklasse Zürich - wäre da nicht das Finale bei den Hallenleichtathletik-Weltmeisterschaften in Lissabon (Dritter) und die Niederlage gegen den Russen Yuriy Borzakovskiy beim Memorial Van Damme in Brüssel gewesen, der 800-Meter-Läufer André Bucher hätte ein ganz und gar makelloses Jahr erlebt. 

Aber auch so war 2001 ein Jahr, wie er es sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorgestellt gehabt hatte, und er war um die beiden Niederlagen sogar froh. "Sie haben mir gezeigt, dass andere auch nicht schlafen und ich am Boden bleiben muss", sagte er am Ende der Saison, und machte sich wieder an die Arbeit. Abseits des Rummels, den er so gar nicht liebt. 

"Die Basis ist gelegt", stellte Bucher fünf Tage vor den Hallen-Europameisterschaften fest. Für noch bessere Zeiten im Sommer, denn er glaubt, sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft zu haben. Koordination und Schnelligkeit, daran feilt er, der von den Langstrecken her kommt, früher sogar 10.000 Meter lief und an Crosslauf-Weltmeisterschaften teilnahm. Seine erste WM-Medaille gewann er 1994 als Junior in Lissabon über 1500 Meter. 

Drei Siege in der Energizer-Serie vor der Hallen-EM

Die ersten Rennen in der Halle haben ihm gezeigt, dass er sich auf einem guten Weg befindet, einem sehr guten sogar. Wie Stephanie Graf hat Bucher drei Rennen der Energizer-Serie gewonnen. In Gent lief er von der Spitze aus, deklassierte in 1:45,80 Minuten den Olympiazweiten 1996 Hezekiel Sepeng und 1500-Meter-Hallen-Weltmeister Rui Silva geradezu, in Birmingham setzte er sich in einem taktischen Rennen durch. "Nach 600 Metern war ich noch Dritter, im Ziel lagen ein paar Zehntelsekunden zwischen mir und den andern", freute er sich. 0,46 Sekunden nahm er dort Sepeng ab, gar 0,63 Ex-Weltmeister Wilson Kipketer. Das ist sehr viel. In Liévin senkte er den Schweizer Rekord auf 1:45,08, und diesmal stürmte er Kipketer (1:45,54) und Sepeng (1:45,65) nach 450 Metern auf und davon. Wieder ein Solo für André Bucher. 

Der Däne Kipketer verzichtet auf einen Start bei der Hallen-EM, Olympiasieger Nils Schumann muss nach einem Oberarmbruch passen und der Russe Borzakovskiy soll verletzt sein, hat Bucher gehört. Die drei prominentesten Konkurrenten fehlen also in Wien. Bleibt der Freiluft-WM-Dritte Pawel Czapiewski, der in Liévin mit 1:46,52 polnischen Rekord lief. Der Weg zum ersten Hallen-EM-Titel scheint frei. Auch zu einem EM-Rekord, wie ihn Buchers Landsmann Markus Ryffel seit 1979 hält? Ryffel lief damals in Wien die 3000 Meter in bis heute nicht übertroffenen 7:44,43 Minuten. "Die Zeit ist nicht so entscheidend", sagt Bucher.

Bucher ist einer der Stars bei der Hallen-EM. Zusammen mit Lokalmatadorin Stephanie Graf wird er Donnerstagabend im Wiener Rathauskeller im Rahmen des EAA-Dinners als Europas Leichtathlet des Jahres geehrt. Zum ersten Mal wählten Offizielle, Medienvertreter, Athleten und Fans einen Schweizer und eine Österreicherin. Zwei, die einander auch privat gut verstehen. "Sie ist offen und gesprächfreudig", schätzt er an Graf. Ein wenig ist er neidisch auf sie. Ihr fehlen nur 0,45 Sekunden zum (Hallen-) Weltrekord, ihm fast eine Sekunde mehr.  

Ergebnisse
Ihre Meinung
Noch mehr Berichte


Alle Rechte vorbehalten. Copyright by www.steeple.de