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32. New-York-City-Marathon

Ansteckende Begeisterung 
trotz Teilnehmerschwund

Vorabdruck aus der Dezemberausgabe des SPIRIDON-Laufmagazins von Chefredakteur
Manfred Steffny, der zum 22. Mal den New York City Marathon besuchte und zum
sechsten Mal mitlief. Infos über SPIRIDON siehe: www.laufmagazin-spiridon.de

06.11.01 Zwei neue Streckenrekorde durch den Äthiopier Tesfaye Jifar (Bild) in 2:07:43 h und die Kenianerin Margaret Okayo in 2:24:21 h, aber mit 23.340 die niedrigste Finisherzahl seit einem Dutzend Jahren. Das waren die Kennzeichen des 32. New York City Marathon. am 4. November. Acht Wochen nach dem Anschlag auf die Twin Towers des Welthandelszentrums und der anhaltenden Entdeckung von Anthrax-Attacken löst sich die Stadt erst allmählich von ihrer Erstarrung. Die Bevölkerung feierte die Läufer am Marathon-Sonntag bei Sonne und Windstille mit nie gekanntem Enthusiasmus. 

,,Wir sind dankbar und glücklich, dass der New York City Marathon stattfinden konnte", freute sich Renndirektor Allan Steinfeld. Was er nicht hinzufügte: ,,...und dass nichts passiert ist." Denn das Rennen fand unter schwerster Bewachung von Tausenden von Polizisten und großen Restriktionen statt und wurde schließlich zu einer einmaligen Demonstration im Laufschritt, bei der New York die Prozession der Läufer feierte und nicht zuletzt wie beim Pfeifen im Wald sich selbst Mut machte. 

Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begannen schon mit der Abholung der Startnummern und dem Besuch der Marathon-Expo im Javits-Center in den Tagen vor dem Rennen, wo niemand ohne genaue Überprüfung seiner Personalien und Durchleuchtung eintreten konnte. Spätestens bei der Versammlung der Läufer zum traditionellen Freundschaftslaufs am Samstag Morgen vor der UNO wurde deutlich, dass der Marathon 2001 mit einer empfindlichen Teilnehmer-Einbusse leben musste.

Bis zu 20% der ausländischen Läufer hatten ihren Start in New York abgesagt. Der sonst völlig überfüllte Platz war nur zu zwei Dritteln gefüllt. Schätzungsweise 8.000 statt der sonst 10-12.000 ausländischen Läufer beteiligten sich an dem traditionellen Auftakt des Rennens im Jogger-Tempo über die 42. Straße bis zum Central Park. Weiträumige Absperrungen rund um die UNO und an den Straßenkreuzungen quergestellte Lastwagen ließen Kriegs-Atmosphäre spüren. Das Gegenstück dazu waren die zahlreichen US-Flaggen, die das Gros der europäischen Läufer schwenkten und die ,,We love New York"-Botschaften auf ihren T-Shirts. So war es nur logisch, dass der alljährliche Bikila-Abebe-Award diesmal nicht einem großen zeitgenössischen Läufer überreicht wurde, sondern dem Bürgermeister von New York, Rudi Giuliani, der sogleich mit von den italienischen Läufern angestimmten Sprechchören gefeiert wurde. ,,Er machte es möglich, dass der Lauf in diesem Jahr stattfinden kann", lobte Allan Steinfeld, ,,sieben Tage nach ,Nine-Eleven` rief er mich an und sagte: die Stadt muss zur Normalität zurückfinden, der New York City Marathon muss stattfinden." Der Bürgermeister, der in der Zeit der Heimsuchung der Stadt zum herausragenden Krisenmanager wurde, fand abwiegelnd die richtigen Worte: ,,Ich habe diesen Preis bekommen, weil ich achtmal als Erster die Ziellinie des New  York City Marathons passiert habe - im Auto!"

 

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