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Saison 2001

Ingo Schultz steht hoch im Kurs

Deutscher Vize-Weltmeister genießt den Rummel um seine Person

Ingo Schultz16.10.01 (fc) Der deutsche 400-Meter-Läufer Ingo Schultz schaffte das, wovon viele ihr Leben lang träumen. Innerhalb von nicht einmal 45 Sekunden avancierte er bei der Weltmeisterschaft in Edmonton zum neuen Shooting-Star der deutschen Leichtathletik und weckte deren Viertelmeiler aus ihrem Dornröschenschlaf.

Das Nordlicht, das für die LG Olympia Dortmund startet, zählt als Vize-Weltmeister nun zu den großen Zugpferden, wurde bei einer deutschlandweiten Umfrage zum EM-Botschafter gewählt. Jetzt konnte er sich auch über seinen ersten Privatsponsor, die IT-Firma Wilken, mit der er sich am Montag gemeinsam in München präsentierte, und die damit verbundene finanzielle Belohnung für seinen sportlichen Aufstieg freuen. „In diesen Genuss kommen nicht viele Leichtathleten“, sagt dazu Stefan Thies von der Agentur Köster & Co., die den Kontakt zu Schultz über dessen Management vermittelte, „aber ich denke, es ist ein positives Zeichen für die gesamte Leichtathletik.“ Dr. Andreas Lied, Geschäftsführer des Ulmer Unternehmens, bekräftigt: „Uns geht es um einen Sportler, der eine große Glaubwürdigkeit vertritt.“

Damit wird offenkundig, was den 26jährigen Schultz auszeichnet. Auch nach seinem großen Erfolg im Commonwealth Stadium ist er sich immer noch treu und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Dabei stürzte eine ganze Menge auf ihn ein, als er Ende August nach seinem US-Urlaub, den er sich gleich nach der WM genehmigte, mit seiner Medaille im Gepäck wieder in Deutschland ankam. Ein Empfang jagte den anderen, die Anfragen der Medien stapelten sich. „Erst seit ein, zwei Wochen komme ich wieder dazu, etwas zu lesen“, findet er nun etwas mehr zu seinem alten Lebensrhythmus zurück. Zwischendurch wurde er von den Negativschlagzeilen seines Vereins, der am Rande des finanziellen Kollapses stand, überrascht und sofort streckten andere die Fühler nach dem begehrten Silbermedaillen-Gewinner aus. „Ich bin aber ruhig geblieben und habe gehofft, dass ich in Dortmund bleiben kann.“  Entsprechend groß war auch die Erleichterung, als er erfuhr, dass sein bis 2002 laufender Vertrag erfüllt wird.

Europameisterschaft in München ist für den Botschafter das große Ziel

Im November steigt er in das zielgerichtete Training ein, tritt aber in der Hallensaison voraussichtlich nur wenig in Erscheinung. Trotzdem schloss er einen Start bei der Hallen-EM in Wien mit der DLV-Staffel nicht kategorisch aus: „Wenn man mich fragt, werde ich darüber nachdenken.“

Sein großes Ziel ist aber zweifelsfrei die Europameisterschaft in München im nächsten August, für die er auch als EM-Botschafter Verantwortung übernimmt. „Das ist eine ehrenvolle Aufgabe“, freut er sich, dass er auch hier das Interesse des Organisationskomitee weckte. Am Montag hat er im Rahmen seines PR-Termins im Olympiastadion schon einmal die Bahn vier, wenn auch noch ohne Spikes, getestet: „Da hat es schon gekribbelt.“ Bei verschiedenen Auftritten, mit seinem souveränen Auftreten und natürlich mit seiner Leistung will er den Anreiz geben, das Event in der bayerischen Landeshauptstadt zu pushen. Auch Wilfrid Spronk freut sich als Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH über das Engagement des gelernten Diplom-Elektro-Technikers, der gerade an seiner Doktorarbeit feilt („Das wird noch ein bisschen dauern“). Ähnlich ungewöhnlich wie diese Ambitionen abseits der Leichtathletik-Arenen ist für einen Leistungssportler auch die Laufbahn von Spätstarter Ingo Schultz. „Durch andere Hobbies hatte ich nie die Zeit gefunden, das zu vertiefen“, erzählt er. Als Kind sang er im Chor, spielte Geige und Schach. Erst bei den Bundeswehr-Sportfesten stellte er sich schließlich die Frage, was er aus seinem läuferischen Talent machen kann und eins kam zum anderen, bis er vor rund drei Jahren bei seinem Erfolgstrainer Jürgen Krempin landete. „Man sieht, dass noch eine Menge geht, wenn man spät anfängt“, sagt er stolz. Welche Zeit er bei seinem Potenzial in den Beinen hat, kann er nach wie vor noch nicht abschätzen.

Deshalb geht es für ihn im nächsten Jahr darum, sein Leistungsniveau zu stabilisieren und seine Staffelkollegen für die EM anzuspornen: „Wir wollen in München ordentlich laufen.“ Zu seinen Chancen auf der Einzelstrecke möchte er sich noch nicht festlegen. „Dort werden die Karten neu gemischt.“ Aber eines ist heute schon sicher. Auch im Olympiastadion steht Ingo Schultz bei den vielen Zuschauern, auf die er hofft, hoch im Kurs und auch dann gibt es wieder etwas gratis dazu: „Schon jetzt hat der Abstecher nach München viel Spaß gemacht.“ Das wird sich, wenn alles planmäßig läuft, wiederholen und es wäre keine Überraschung, wenn er dem Silber von Edmonton noch etwas draufsetzen könnte.

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