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Straßenlaufmeisterschaften in Troisdorf

Youngster Desaleng beisst sich durch

Luminita Zaituc lässt sich den Sieg bei den Frauen nicht nehmen

Tereffe Desaleng23.09.01 (ck) Die für die LG Braunschweig startende Luminita Zaituc (32:40 min) und der für die LG Eintracht Frankfurt laufende Tereffe Desaleng (29:00 min) haben bei den ersten Deutschen 10-Kilometer-Straßenlaufmeisterschaften in Troisdorf bei Bonn die Titel geholt. 

Während sich Zaituc bei optimalen Bedingungen gegen Petra Wassiluk (LG Eintracht Frankfurt/33:04) und Claudia Dreher (TV Friesen Naumburg/33:19) durchsetzte, verwies Desaleng die Wattenscheider Carsten Schütz (29:00) und Sebastian Bürklein (29:03) auf die Plätze. 

Nach dem Wettkampf gab Bundestrainer Wolfgang Heinig bekannt, dass kein deutsches Männer-Team zur Halbmarathon WM nach Bristol (7. Oktober) reisen wird. Zu schwach seien die Ergebnisse der WM-Kandidaten an diesem Tag gewesen. Bester aus der Truppe der Vornominierten war der Cottbuser Stephan Freigang auf Platz sechs (29:23 Minuten). "Ich habe die Tickets und die Ausrüstung dabei", erklärte der DLV-Coach nach dem Rennen. Trotzdem sei er zu der Entscheidung gekommen, niemanden für Bristol zu nominieren. "Ich tue keinem einen Gefallen, wenn ich ihm einen WM-Start ermögliche, bei dem dann ein Ergebnis herauskommt, dass ihn in seiner Entwicklung zurückwirft", begründete Heinig seinen Entschluss, den er zuvor bereits den betroffenen Sportlern kundgetan hatte. Der Start eines deutschen Frauen-Teams war schon vor den Titelkämpfen in Troisdorf abgesagt worden, weil die WM-Marathonstarterinnen signalisiert hatten, dass sie nicht bei der Halbmarathon-WM antreten würden.

Das Rennen der Männer erwies sich vom Start weg als eine harte Tempojagd. Eine zehnköpfige Spitzengruppe bestimmte das Geschehen. Die 3.000-Meter-Durchgangszeit lag bei 8:45 Minuten, nach 5.000 Meter zeigte die Uhr 14:35 Minuten. Alles deutete auf eine Endzeit um 29:00 Minuten hin. Und die sollte es auch werden. Zwischen Kilometer sechs und sieben griff Carsten Schütz vom TV Wattenscheid seine Konkurrenten an. Die Spitzengruppe zerfiel. Nur der erst 18-jährige Frankfurter Junioren-Läufer Tereffe Desaleng konnte ihm folgen. Doch dreihundert Meter vor dem Zielstrich packte Schütz noch einen drauf und nahm dem Frankfurter einige Meter ab. Aber dieser schlug völlig überraschend zurück. 50 Meter vor Schluss zog er an Schütz vorbei und siegte zeitgleich vor dem Wattenscheider. "Ich habe ja mit allem gerechnet, aber nicht dass Tereffe mit solchem Tempo von hinten kommt", meinte Schütz nachher. 

Weil er als Gesamterster im Ziel war, sicherte sich Junior Desaleng gleich zwei Einzeltitel in nur einem Rennen - in seiner Altersklasse und bei den Männern. Das warf allerdings einige Fragen auf. Selbst die sonst souveränen Organisatoren und Verantwortlichen vom DLV gerieten an dieser Stelle ein wenig durcheinander. Und so bedurfte es mehrerer Anläufe, ein Mannschaftsergebnis zu erstellen. Die Junioren zählten letztendlich auch zu der Mannschaft der Männer. Dadurch siegte das erste Team des TV Wattenscheid (Schütz, Bürklein, Lubina) vor der zweiten Mannschaft des Vereins (Ostendarp, Fietz, Stenzel) und dem LAC Quelle Fürth/München (Hedrit, Boukechab, Rückerl). 

"Es ist für uns Läufer, die wir sonst als Individualisten bekannt sind, unheimlich schön mit der Mannschaft Gold zu holen", zeigte sich Sebastian Bürklein hocherfreut, dass er mit seinem Team gewonnen hatte. Gleichzeitig lobte er das Engagement der Organisatoren, die für die drei erstplatzierten Frauen und Männer Preisgelder von je DM 600,-, 300,- und 100,- ausgelobt hatten. "Das ist eine schöne Geste", so Bürklein, der Dritter in der Einzelwertung geworden war. 
Dass es erstmals bei einer DM Preisgeld gab, verdankten die Athleten dem örtlichen Ausrichter, der LG Bonn/Troisdorf/Niederkassel. Dem Verein war es nämlich gelungen, eigens für das Preisgeld der Erstplatzierten den Kölner Telefonanbieter NetCologne als Sponsor zu gewinnen. "Wir wollten das ermöglichen, was ich mir selbst zu meiner aktiven Zeit immer gewünscht habe", begründete Mitorganisator Thomas Eickmann, warum er und seine Mitstreiter Klinken geputzt hatten, um einen zusätzlichen Sponsor zu finden. 

Eckhardt Franz, Trainer des doppelten Siegers Tereffe Desaleng, freute sich unterdessen mit seinem Schützling über zwei Goldmedaillen und den Siegerscheck: "Ich wusste, dass alles möglich ist, wenn er 200 Meter vor dem Ziel noch dran ist. Hinten raus ist Tereffe nämlich stark", erklärte der Coach, der den 18-jährigen gebürtigen Äthiopier seit Mai 2000 betreut. Über dessen Alter hatte es übrigens vor kurzem noch unterschiedliche Ansichten gegeben. Mittlerweile ist die originale Geburtsurkunde aus Äthiopien jedoch da und aus der geht hervor: Desaleng wird erst im November 19 Jahre alt.

Für Desalengs Verein LG Eintracht Frankfurt war es nicht nur wegen dessen Doppelsieges ein erfolgreicher Tag. Die Zweitplatzierte des Frauen-Rennens, Petra Wassiluk, startet ebenfalls für die Eintracht. Sie musste sich nur Luminita Zaituc aus Braunschweig geschlagen geben. Diese hatte sich den Sieg schon vor dem Start gewünscht: "Aber ich war ja nicht die einzige, die dafür in Frage kam. Mit Petra und Claudia musste man ebenfalls rechnen." Von Anfang an hatten Luminita Zaituc, Petra Wassiluk, Claudia Dreher sowie die Viertplatzierte Iris Biba-Pöschl das Renngeschehen bestimmt und sich vom restlichen Feld abgesetzt. Auf den letzten 2,6 Kilometern griff Zaituc dann an und siegte souverän. Auch in der Teamwertung stand Zaituc mit ihrer LG Braunschweig auf dem obersten Treppchen. Zusammen mit Birte Bultmann und Victoria Willcox-Heidner verwies sie den 1. LAV Rostock (Siewert, Maisch, Knispel) und die LG Nike Berlin (Carlsohn, Hänsel, Edler) auf die Plätze. Beste Juniorin und damit Deutsche Meisterin wurde Tina Tremmel vom TV Eckmannshausen (34:42). Sie wurde in der Gesamtwertung Siebente.

Zufrieden zeigte sich nach der Veranstaltung Bundestrainer Heinig: "Die Meisterschaften waren sehr gut organisiert und durchgeführt. Die LG Bonn/Troisdorf/Niederkassel hat für die deutsche Straßenlaufszene positive Impulse gesetzt", lobte er das Organisationsteam und sparte gleichzeitig nicht mit Kritik an den Leistungen der Athleten. Bei den Frauen sei das Manko, dass es einige Spitzenläuferinnen gebe und dass dann die Breite fehle. Bei den Männern sei das Problem, dass es keine absoluten Ausreißer nach oben gibt. Gleichzeitig hob er aber positiv hervor, dass die Breite wesentlich besser sei als im Frauenbereich.

von Christian Klaue

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